Aus gegebenem Anlass: Taifune in Japan

Neben Erdbeben, Tsunamis und gelegentlichen Vulkanausbrüchen kann der Tourist, aber auch der Einheimische, in Japan an der Taifunsaison teilnehmen. Diese am häufigsten anzutreffende Naturkatastrophe bestimmt das Leben in weiten Teilen Ost- und Südostasiens.

Was ist ein Taifun?
Taifune sind tropische Wirbelstürme (Zyklone), die in Ostasien (Japan, China, Korea) und Südostasien (Taiwan, Philippinen) sowie im nördlichen Pazifik westlich der Datumsgrenze vorkommen (östlich der Datumsgrenze sowie im Atlantik werden sie als Hurrikan bezeichnet).

Wie und wo ensteht ein Taifun?
Taifune entstehen meist in der Region um die nördlichen Mariannen-Inseln. Ursächlich sind Tiefdruckgebiete, die feuchtwarme Luft ansaugen und durch Scherwinde in Rotation versetzt werden.
Taifune drehen sich gegen den Uhrzeigersinn und tragen jede Menge Regen in sich, der hauptsächlich auf der Westseite des Wirbels zu finden ist. Je nachdem ob ein solches Monster also östlich oder westlich vorbeizieht, gibt es entweder viel oder fast keinen Regen.
Die Windgeschwindigkeiten, die ein Taifun entwickeln kann, können bis über 300 km/h betragen.

Die Benamung:
Wie auch Hurrikane haben Taifune Namen. Jede der von Taifunen betroffenen Nationen gibt schlägt Namen vor, die in Listen eingetragen und dann abgearbeitet werden.
Die Philippinen geben den Taifunen, die in ihren Observationsbereich eindringen noch einmal gesonderte Namen, so dass es passieren kann, dass ein und derselbe Taifun unter zwei Namen zu finden ist.

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Wolkenformation einige Stunden bevor der Taifun eintrifft.

Die Taifunsaison in Japan:
Generell sind kommen Taifune das ganze Jahr über vor. Besonders gehäuft allerdings in den Monaten Juni bis November.
Zu Beginn der Saison ist die Zugroute dieser Monster hauptsächlich westwärts in Richtung der Philippinen. Dieses arme Land kriegt oft die geballte Ladung an Wind und Regen ab. Mit verheerenden Folgen, wie an den Taifunen „Ondoy“ (international: „Ketsana“) in 2009 und „Yolanda“ („Haiyan“) ersichtlich. Windgeschwindigkeiten von über
In der zweiten Hälfte der Saison jedoch ändert sich die Zugrichtung und die Taifune ziehen vermehrt in Richtung Nord-Westen auf Japan zu.
Die Japan Meteorological Agency ist die Institution in Japan, die nicht nur für die Wettervorhersage, sondern auch für die Beobachtung von Taifunen und der Vorhersage von Zugwegen Derselben zuständig ist.
  

„Kilo“ und „Etau“ – Die Taifune Nr. 17 und 18
Zum Zeitpunkt dieses Artikels (14.09.2015) war gerade der 19. Taifun dieser Saison registriert worden.
Nur eine Woche zuvor zogen der Taifun „Kilo“ sowie der schwere tropischen Sturm „Etau“ zeitgleich und parallel, nördlich und südlich an Tokio vorbei, über Japan hinweg. Mit verheerenden Folgen für die Regionen nördlich von Tokio. Für gut vier Tage am Stück hat es wie aus Eimern geschüttet. Bis zu 500mm (oder 500 l/qm) wurden in 48 Stunden gemessen.

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Riesige Wassermassen überfluten die Straßen. Hier vor unserem Haus.

Diesen enormen Wassermassen konnten einige Flußdeiche in der Stadt Joso nicht standhalten und brachen. Die Bilanz sind 7.000 betroffenen und teils eingestürzte Häuser, Hundertausende Evakuierte und bisher 15 Tote und 21 Vermisste.

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Taifun „Kilo“ (rechts) und der schwere tropische Sturm „Etau“ (links) nehmen Tokio in die Zange. (Bild: www.jma.go.jp)

Nach einem Taifun:
Der Tag nach dem Durchzug eines Taifuns ist immer etwas Besonderes. Die Temperaturen steigen schlagartig an, der Himmel ist von einen hellen Blau und ohne eine einzige Wolke. Lediglich eine kräftige Brise erinnert an das Inferno des Vortages, wenn der Taifun mit all seiner Stärke vorübergezogen ist.

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Der Himmel nach einem Taifun.

Aus Erfahrung kann ich sagen, das Erleben eines Taifuns in Tokio ist abenteuerlich, muss aber nicht ständig wiederholt werden.

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