Bonsai-Museum Edogawa

Ein schöner Sonntagnachmittag. Was liegt da näher, die Fahrräder zu nehmen und eine kleine Tour durch Edogawa zu unternehmen. Aber wohin?
„Wie wäre es mit dem Bonsai-Museum?“ sprach die Gattin und gab die Richtung vor.

IMG_0169

Eingang zum Bonsai-Museum in Edogawa.

Das Bonsai-Museum in Edogawa liegt versteckt in einem Wohnviertel etwa 5km von unserem Haus entfernt nahe am Edogawa-Fluss. Nach einer kurzen Tour entlang Kanal und Fluss erreichten wir unser Ziel.

Der Eingang stand offen und weit und breit niemand zu sehen, der das Eintrittsgeld (800 Yen) entgegennehmen wollte. Nach einem beherzten „Sumimasen!“ unsererseits erschien ein freundlicher älterer Herr, erlaubte uns das Parken vor dem Eingang und kassierte das Eintrittsgeld.

Und dann standen wir da. Umrahmt von jeder Menge Bonsai-Bäumen. Doch wo anfangen? Wo aufhören?

IMG_0134

Bonsai mit gebleichtem Stamm.

Diese Entscheidung wurde uns schnell abgenommen, denn der freundliche ältere Herr verschwand und kam mit einem jungen Mann nicht-japanischer Herkunft zu uns zurück.
Der junge Mann erwies sich als ein Student des Bonsai-Meisters. Er erklärte uns, dass er aus Mexiko-Stadt stamme, dort einen Bonsai-Laden unterhält und sich jedes Jahr für ein paar Wochen-Monate in Japan aufhält, um sein Wissen und seine Fähigkeiten im Umgang mit Bonsais zu verbessern.

Zunächst führte er uns in das eigentliche Museum. Es war im Stil eines traditionellen japanischen Hauses gehalten. Mit Tatami auf dem Fußboden, verschiebbaren Papierwänden und einem hölzernen Wandelgang, der die einzelnen Räume miteinander verbindet.

IMG_0133

Außenansicht des Museums.

IMG_0141

Der Koi-Teich.

Die Räume selbst waren so hergerichtet, dass sie einer traditionellen Ausstellung gerecht wird.
Zu dieser traditionellen Ausstellung gehören ein kleiner Tisch auf einem Podest auf dem der Bonsai steht, der Topf in dem der Bonsai präsentiert wird, einen Pfeiler, ein Gemälde und eine Figur, ein Stein oder andersartige Plastik.

IMG_0145

Typische Bonsaidarstellung: Podest, Pfeiler, Tisch, Bild, Topf und Figurine.

Es wurde uns erklärt, dass jeder Bonsai seine eigene Umgebung braucht. So kann der Abschluss des Podests in hellen oder dunklen Holztönen gehalten und die Holzsäule naturbelassen, rund geschliffen oder viereckig sein. Selbst die Position der Signatur des Künstlers des Gemäldes bestimmt, ob dieses Gemälde zu jenem Baum passt oder nicht.

Man sieht also, dass es es nicht einfach bedeutet, einen kleinen Baum irgendwo in den Raum zu stellen. Er muss gewürdigt werden und mit der Umgebung harmonieren.

In einem großen, modernen Tee-Raum stand der wertvollste Baum der Ausstellung: Eine Konifere, etwa 400 Jahre alt. Der Wert, so unsere mexikanischer Führer, läge bei etwa 1,5 Millionen. Dollar, nicht Yen. Dazu käme die antike, irdene chinesische Schale und der kleine Tisch für noch einmal 500.000 Dollar. Bei solchen Summen kann man sich vorstellen, wieso mit den Bonsais so vorsichtig umgegangen wird.

Nach der Führung wurden wir in ein weiters Gebäude gebracht, wo schon heißer grüner Tee für uns bereitstand. Eine kleine Aufmerksamkeit des Hauses. Und da wir die einzigen Besucher waren, hatte unsere Bonsai-Experte Zeit, uns mehr über seinen Lehrer, das Museum, seinen Laden in Mexiko und die Kunst, aus einem normalen Baum einen Bonsai zu kreieren zu erzählen.
Danach entließ er uns in den Garten des Museums, damit wir Zeit haben, uns all die vielen Bonsai-Bäume anzusehen.

IMG_0155

Bonsai auf Felsen mit Moos.

 

Eines wurde an diesem Tag klar: Wer einen Bonsai betreut hat ein Leben lang zu tun. Meist sind es nur kleine Arbeiten, aber um ein beeindruckendes Ergebnis zu erzielen, bedarf es Generationen.

Du willst mehr wissen? Guckst Du hier: Bonsai Museum Edogawa

Ich freue mich auf Kommentare!