Paddeln, Männer, paddeln! – Die etwas andere Katastrophenprävention

Allzeit bereit!
Japan gedenkt am 1. September den Opfern des Großen Kanto-Erdbebens von 1923. Als eine besondere Erinnerung an dieses Ereignis, und um die Menschen daran zu erinnern, dass ein solches Unglück jederzeit wieder passieren kann, wurde im Jahre 1960 der 1. September zum „Katastrophenvorsorgetag“ erkoren. Neben der Erinnerung an die Katastrophe von 1923 wurde der September auch gewählt, weil er in der japanischen Taifun-Hochsaison liegt und ein Katastrophenfall jederzeit eintreten kann.

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Allzeit bereit! Werbeplakat für die Katastrophenhilfe.

Katastrophenvorsorge
Landauf-landab werden im September in Kindergärten, Schulen, Firmen, Gemeinden, Dörfern und Nachbarschaften Katastrophenschutzübungen abgehalten. Neben dem Umgang mit Feuerlösch- und Bergungsausrüstung und der Erstversorgung Verwundeter wird auch das Verhalten während einer Katastrophe sowie die Vorbereitung auf den Ernstfall geprobt. Erklärungen wie das Notfall-Gepäck (das jeder bereit halten sollte) ausgestattet sein sollte (Medikamente, Getränke, Konservenfutter, Erste-Hilfe-Set, Wechselklamotten, wichtige Dokumente), welche Maßnahmen während eines Erdbebens ergriffen werden sollten (Gas abdrehen, Sicherungen ausschalten, die Haustüre öffnen, sich unter dem Tisch in Sicherheit bringen, uvm…) und wo die nächstgelegenen Evakuierungszentren sind Gegenstand der Übungen.
Dieses Jahr gab es in unserem Bezirk ein Buch mit Tipps und Anleitungen für den Ernstfall inklusive eines Stadtplans mit den umliegenden Evakuierungszentren, Notfallkrankenhäusern und Trinkwasserversorgungsstellen.

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Für den Ernstfall: Karte mit Evakuierungszentren und Handbuch zur Katastrophenprävention und Verhalten in Notsituationen.

Was hat das alles mit einem Bootsrennen zu tun?
Diese, durchaus berechtigte, Frage möchte ich versuchen zu beantworten.

Zunächst einmal zum E-Boat:

Wo kommt es her?
Also: Die E-Boat-Rennen wurden vor einigen Jahren hier in Japan entwickelt. Die Grundidee dahinter ist es, Gemeinschaft und Teamgeist zu stärken. Indem alle in einem Boot sitzen und mit gemeinsamer Anstrengung und viel Spaß einem Ziel entgegenstreben, sollen Menschen animiert werden, Gemeinschaft auch in der Freizeit zu erleben. Gerade in Japan eine wichtige Aufgabe, da in dieser übercomputerisierten und arbeits/erfolgsorientierten Gesellschaft die Gemeinschaft gerne mal zu kurz kommt.

Was ist das E-Boat?
Das E-Boat war zunächst ein traditionelles Kanu aus Holz und sehr groß und sperrig. Bei einer Auslegung von 10 Personen (wegen der Gemeinschaft) bleibt das nicht aus. Solche Ungetüme in Tokio unterzubringen ist nicht nur platz- sondern auch kostenintensiv. Aus diesem Grund wurde mit einem österreichischen Hersteller ein aufblasbares Kanu für 10 Personen entwickelt. Dieses kann nun einfach transportiert und gelagert werden.

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Ein „E-Boat“ mit zehn enthusiastischen Paddlern kurz vor dem Start.

Was bedeutet das „E“?
Diese Frage zu beantworten gestaltet sich schwieriger. Eines ist jedoch sicher: Das „E“ steht als Anfangsbuchstabe einer Reihe von Begriffen, die für das stehen, was das „E-Boating“ ausmacht:
Education, Exchange, Environment, Emergency, Ecology, etc, etc, pe pe…

Das E-Boat-Rennen in Odaiba
Das E-Boat-Rennen in Odaiba geht, soweit ich das wissen tu, auf eine Initiative eines Professors zurück. Dieser hatte von den E-Boats gehört und dachte sich, dass dies eine gute Möglichkeit wäre, Menschen zusammenzubringen und gleichzeitig für die Katastrophenprävention zu sensibilisieren. Und außerdem macht es auch noch eine ganze Menge Spaß!

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Gleichtakt sieht ein wenig anders aus. Aber der Spaß steht ja eh im Vordergrund.

Der Spaß ist garantiert, schon aufgrund der sehr einfachen Regeln:
1) 10 Mann/Frau/Kind
2) 1 Boot
3) 200m Strecke (100m hin, um die Boje rum, 100m zurück zum Strand)
4) Zwei Rennen gegen je drei andere Teams auf Zeit

4) Das schnellste Team am Ende des Tages gewinnt.

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Itch-Ni! Itch-Ni! One-Two! One-Two! Eins-Zwei! Eins-Zwei!

Grundsätzlich kann jeder mitmachen, der einen kleinen Obolus entrichtet und mit 10 Mann/Frau/Kind antritt. Die Wertung geschieht in zwei Klassen: Studenten und Freie Klasse.

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Internationales Race-Team.

Unser Team („Motto-Motto-Asobitai!“ – „Mehr-Mehr-Spaß!“) war gemischt-international besetzt. 10 Personen aus vier Nationen gingen an den Start, um gegen Gegner wie z.B. das japanische Drachenboot-Nationalteam anzutreten.

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Ganz harte Konkurrenz: Japans Nationales Drachenboot Team

Nach nur einer Trainingsrunde lagen zwei Rennen vor uns. Die Zeiten lagen bei beiden Rennen dicht beieinander, reichten aber nicht zum Einzug in die nächste Runde. Allerdings sind wir auch nicht letzter geworden. Was, wie ich finde, schon eine Leistung ist, bedenkt man, dass unser Team sich nur einmal im Jahr sieht und nur einen Trainingslauf absolviert.

So landeten wir zwar „unter-ferner-liefen“, haben aber den Preis für den besten Teamnamen absahnen können. Immerhin!

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Team und Unterstützer feiern einen ereignisreichen Tag.

Ich freue mich auf Kommentare!