Cebu – Kurzurlaub im Paradies

Sommerurlaub in Japan

Wer seinen Sommerurlaub in Tokio verbringt, ist selbst Schuld. So oder so ähnlich könnte man die allgemeine Haltung beschreiben. Sommer in Japan heißt vor allem: hohe Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit. Und zu allem Überfluss wird der Sommerurlaub auch noch auf nur eine Woche im August reduziert: die Zeit des Obon, des japanischen Allerseelen-Festes.
Ähnlich der Golden Week sind auch zu diesem Zeitpunkt Flughäfen, Bahnhöfe und Autobahnen restlos überfüllt und Reisen sehr teuer.

Blick vom Eingangsbereich in die Hotelanlage.

Nichtsdestowenigertrotz haben wir uns sehr kurzfristig entschieden, den Sommerurlaub nicht wie sonst üblich in der klimatisierten Wohnung zu verbringen, sondern Stadt und Land zu verlassen und gen Süd-Westen zu verreisen.

In solch einem Ambiente lässt sich der Urlaub aushalten.

Zunächst fiel unsere Augenmerk auf Okinawa. Doch schon nach kurzer Recherche war klar, dass wir wirklich nur Urlaub machen wollten und nicht gleich eine ganze Insel kaufen. Also wanderten wir auf dem Globus weiter nach Süd-Westen und landeten in Cebu im Inselreich der Philippinen.

Wer will mit nach Cebu?

Nachdem also der Zielort festgelegt war, ging es um die Planungen für Flug und Unterkunft. Aufgrund der vorzüglichen Vernetzung der Angetrauten nutzten wir die Dienste einer ehemaligen Kollegin, die sich mit einem Reisebüro selbständig gemacht hat. Nachdem wir uns dann für Flüge und Unterkunft entschieden hatten, keimte der Gedanke auf, wir könnten ja nicht auf die Philippinen fliegen, ohne die Familie zu besuchen. Allerdings würde ein Abstecher über Manila die Urlaubszeit in Cebu schmälern und das Budget strapazieren. Also was tun? Eine schwierige Frage mit einer umso einfacheren Lösung: Wenn der Prophet nicht zum Berg kann, muss der Berg halt zum Propheten. Oder die Familie nach Cebu! Und da noch niemand auf Cebu war, waren alle sehr begeistert.

Jeden morgen fanden sich die Coco-News mit Informationen zu Wetter und Aktivitäten vor der Tür.

Und so machten sich eines Samstagmorgens im August zwei Personen von Tokio und sechs Personen von Manila aus auf den Weg nach Cebu, wo sie zur Mittagsstunde am Flughafen Mactan-Cebu fröhlich Wiedersehen feierten.

Kulinarische, kulturelle und spaßige Familientage

Treffen mit der philippinischen Familie und philippinischen Freunden heißt vor allem: geordnetes Chaos. Und gutes Essen.
Nachdem wir im Resort auf der Cebu vorgelagerten Insel Mactan eingetroffen waren, eingecheckt und unsere Zimmer bezogen hatten ging es ans Verteilen der Mitbringsel. So gab es Omiyage aus Japan für Schwiegervater, die Patenkinder, Cousine und Cousin und die beste Freundin meiner Frau, sowie Pasalubong für uns; hauptsächlich in Form von Naturalien: Cordon Bleu, meinen heißgeliebten Schneckensalat, philippinische Hot-Dogs und Lecheflan.
Dermaßen gestärkt war die erste Amtshandlung den Pool, den Strand und das Meer in Beschlag zu nehmen. Was eine herrliche Abkühlung und eine langersehnte Abwechslung vom Alltagstrott zu Hause.

Pool und Meer bei Nacht.

Nachdem die hoteleigene Abend-Zeremonie beendet war, machten wir uns fertig zum Abendessen. Es ging nach Cordova, zum anderen Ende der Insel Mactan. Hier liegt in einer Bucht das schwimmende Open-Air Restaurant Lantaw mit traditioneller philippinischer Küche.

Lantaw.

Traditionelle philippinische Küche, die in kleinen, schwimmenden Hütten serviert werden.

Bevor am zweiten Tag der Reise der kulturelle Teil begann, wartete ein reichhaltiges Frühstücks-Buffet mit philippinischen, westlichen, koreanischen und japanischen Köstlichkeiten auf die Reisegesellschaft.

Die Hotelanlage bestand aus mehreren ein- und zweistöckigen Gebäuden in einem tropischen Garten.

Auch wenn man es Cebu und Mactan nicht unbedingt ansieht, und sie auch in der internationalen Historie nur eine kleine Rolle spielen, sind diese beiden Inseln für die Filipinos sehr wichtig. Denn hier auf Mactan besiegte der Häuptling Lapu-Lapu am 27. April 1521 die spanischen Invasoren und verhinderte vorübergehend eine Kolonialisierung der Philippinen, was ihm den Ruf des ersten Helden der Philippinen einbrachte. Tragischerweise kam bei dieser Schlacht auch der berühmte portugiesische Seefahrer und Entdecker Ferdinand Magellan ums Leben.

Denkmal für den ersten philippinischen Helden: Lapu-Lapu.

Tafel und Gemälde erinnern an die Schlacht in Mactan.

Denkmal zur Erinnerung an den Seefahrer Magellan.

Schon hier erstaunte uns unser 11-jähriges Patenkind mit seinem Wissen über die Geschichte Cebus. Seitdem er erfahren hatte, dass er mit uns nach Cebu kommt, hat er sich genauestens informiert und war begeistert, all das, was er gelesen und auf Bildern gesehen hatte auch „in Echt“ zu Gesicht zu bekommen.
Weitere Stationen der Städtetour auf Mactan waren die Gitarrenmanufaktur Alegre und die Denkmäler für Lapu-Lapu und Magellan an der Stelle der Schlacht von 1521.

Hier werden Gitarren noch von Hand produziert.

Je nach Kundenwunsch kommen unterschiedlichste Hölzer und Verstrebungen zum Einsatz.

Sogar das Holz des Mango-Baumes wird genutzt.

Da wir für die weiteren Stationen der Tour von Mactan hinüber nach Cebu wechseln mussten, hatten wir Zeit, weiter in die philippinische Geschichte einzutauchen und den Geschichten über Lapu-Lapu und der Christianisierung der Philippinen zu lauschen.
Der erste Halt auf Cebu war der farbenprächtige taoistische Tempel, mit seinem chinesischen Garten.

Der düstere Eingang zum taoistischen Tempel verbirgt

einen einmaligen Blick in den Tempelgarten.

Die prächtig bemalte Halle des Haupttempels.

Und schon der zweite Stopp war das Mittagessen: Buffet mit philippinischer Küche.
Dermaßen gestärkt begaben wir uns zum Erbe-von-Cebu-Monument, das auf drei Seiten die wichtigsten geschichtlichen Ereignisse, berühmte Leute und einflussreiche Ethnien beschreibt.

Szenen auf dem Cebu-Monument beschreiben besondere Ereignisse (hier die Ankunft des Santo Niño, des Christuskindes),

einflussreiche Persönlichkeiten, wie hier Magellan,

die hauptsächlich vertretenen Ethnien, (v.l.: Filipinos, Chinesen, Spanier),

Bauwerke, Rituale

und den starken Einfluss der Kirche.

Gleich gegenüber liegt eines der ältesten Häuser von Cebu: die Villa Yap-San Diego.

Außenansicht der Villa Yap – San Diego.

Dieses am Ende des 17. Jahrhunderts vom chinesischen Händler Don Juan Yap erbaute Haus ist seither unverändert und in Familienbesitz. Jetzt schon in der 13. Generation.

Ein Familienmitglied der jüngsten Generation in traditioneller Tracht.

Viele der Einrichtungsgegenstände stammen noch aus der Zeit der Erbauer.

Die letzte Station der Tour war die Kirche Santo Niño de Cebu mit der Statue des Jesus-Kindes und dem Magellan-Kreuz.

Um es vor Zerstörung zu schützen befindet sich das originale Magellan-Kreuz in der hölzernen Ummantelung.

Kreuz und Christus-Statue sind Geschenke an den Herrscher Sultan Humabon und seine Frau zu deren christlicher Taufe. Heutzutage stellen die Statue und das Kreuz die ältesten katholischen Relikte der Philippinen dar und genießen aus diesem Grund besondere Verehrung.

Die Kirche Santo Niño de Cebu.

Bei größeren Festen finden die Gottesdienste auf dem Platz vor der Kirche statt.

Und so endete die Städtetour durch die Städte Lapu-Lapu auf Mactan und Cebu auf Cebu.
Der Tag an sich war allerdings noch nicht zu Ende: Nach einer ausgiebigen Shoppingtour in der Ayala-Mall trafen wir uns mit einer Freundin, die jetzt in Cebu lebt, zum Abendessen.
Sie entführte uns in ein neues Restaurant mit Meeresfrüchte-Buffet. Doch anstelle schon zubereitete Speisen darzubieten gehörte es zum Ess-Erlebnis, sich die Fische, Muscheln, Krebse und anderes Meeresgetier vor der Zubereitung auszusuchen. Zu diesem Zweck nahm uns der Kellner mit in einen Bereich des Restaurants, der wie ein Supermarkt aufgebaut war. So gingen wir mit unserem Einkaufswägelchen umher und suchten uns Fische und Meerestiere aus, die entweder schon ausgenommen auf Eis lagen oder noch fröhlich und nichtsahnend in Aquarien umherschwammen. Nachdem auch die Art der Zubereitung geklärt war, kehrten wir an unseren Tisch zurück und harrten der Dinge die da kommen sollten. Und ich muss sagen, es war nicht nur sehr viel, sondern auch sehr lecker.

Einkaufen im Restaurant. Ungewöhnlich, aber spannend!

Sogar Fangschreckenkrebse konnten bestellt werden (haben wir aber nicht probiert).

Ein wirklich würdiger Abschluss für einen ereignisreichen Tag.

Der dritte Tag bedeutete auch gleichzeitig den Abreisetag für die Familie. Sie konnten leider nur für das verlängerte Wochenende bleiben.
Wie schon am Tag zuvor begannen wir mit einem reichhaltigen Frühstück. Und während die Erwachsenen sich daran machten für die Rückreise nach Manila zu packen, nahm ich meine beiden Patenkinder und wir machten den Pool und das Meer unsicher. Nach nicht allzu langer Zeit gesellten sich auch die anderen zu uns, um vor der abendlichen Abreise noch ein wenig auszuspannen, Sonne zu tanken und Zeit mit uns zu verbringen.

Entspannte Tage zu Zweit

Nach einer kurzen Zeit der Trauer über die frühe Abreise der lieben Familie begannen für uns ein paar entspannte Tage der Zweisamkeit. Neben einem Tag der perfekten Erholung an Strand und Pool und den lukullischen Genüssen der Resort-eigenen Gastronomie sowie einem Tag des Einkaufens diverser Mitbringsel für die Kollegen, Nachbarn und Freunde in Japan, planten wir auch einen weiteren Tag für Sightseeing und Kultur ein: Einen Trip in die kleine Stadt Carcar.

Carcar, die Hauptstadt des Lechon

Der kleine Ort Carcar liegt etwa eineinhalb bis zwei Autostunden entfernt von Cebu Stadt (verkehrsabhängig, da nur Landstraße).
So ging es dann des morgens mit einem gemieteten Wagen inklusive Fahrer gen Süden.
Nach gut zwei Stunden erreichten wir Carcar, ließen den Ort jedoch links liegen und begaben uns hinauf in die Berge zu den malerischen Mantayupan-Wasserfällen.
Auf unserem Weg dorthin passierten wir kleine Bergdörfer und malerische Plantagen voller herrlichster Früchte, die an kleinen Ständen am Straßenrand zum Kaufe feilgeboten wurden.
Bei den Wasserfällen angekommen, waren wir die einzigen Touristen, so dass wir die Szenerie und die uns umgebende Natur in andächtiger Ruhe genießen konnten.

Die malerischen Mantayupan-Wasserfälle.

Ein tropisches Paradies.

Zurück in Carcar führte uns unser Weg direkt zu den Markthallen. Denn dort wartete auf uns, was den Ort berühmt gemacht hat: Lechon!

Lechon!

Überall Lechon!

Lechon ist ein langsam über dem offenen Feuer gebratenes ganzes Schwein. Und hier in der Markthalle gab es mehrere Stände mit frischem Lechon. Nach kurzem Umschauen und probieren entschieden wir uns für einen Stand und versorgten uns mit unserem Mittagessen. Für unter 6 Euro bekamen wir ein Kilo saftiges Schweinefleisch mit knuspriger Schwarte (die kleinste bestellbare Menge), begaben uns in eine der vielen Eateries rund um dem Mark, kauften in jungen Kokos-Palmblättern gedämpften Reis und machten uns genüsslich über das Lechon her.

Gerade noch am Schwein, jetzt auf unserem Mittagstisch.

Dermaßen gestärkt begaben wir uns zu den historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt, den Gebäuden aus der Zeit der spanischen und amerikanischen Kolonialzeit, die im Pueblo-Stil um den zentralen Platz angeordnet sind.

Rathaus,

Stadt-Museum,

Kirche,

und Schule …

… sind auf dem Platz rund um die Rizal-Statue angeordnet.

Nach ausgiebiger Besichtigung von Museum, Kirche, Schule, Rathaus und verschiedenen historischen Privathäusern, begaben wir uns zum letzten Punkt auf unserer To-See-Liste, der Theotokos Wallfahrtskirche (Theotokos, griechisch für Mutter Gottes) etwas außerhalb von Carcar.

Aufgrund der Wärme in Cebu und dem lauen Lüftchen, das oben auf der Anhöhe weht, hat die Kirche keine steinernen Wände, sondern ist zu drei Seiten mit Gittern versehen.

Neben der großen Marien-Statue, die über Insel und Meer blickt, beherbergt die Kirche auch eine Marien-Ikone.

Die Marien-Statue im Garten der Wallfahrtskirche…

… und der Blick, den sie genießen kann.

Die Marien-Ikone.

Müde vom langen Tag und erschlagen von den vielen Eindrücken, kehrten wir am frühen Abend zurück ins Hotel und ließen den Tag beim relaxen im Pool „Paroli laufen“, wie Horst Hrubesch es zu formulieren wusste.

Abschied nehmen ist immer schwer

Wie bei jedem Urlaub kommt die Abreise viel zu schnell. Außerdem gewöhnt man sich doch sehr schnell an die Annehmlichkeiten eines gehobenen Domizils. So mussten wir nach einer Woche voller neuer Eindrücke und Erlebnisse und ein paar Tagen mit Familie und Freunden schließlich auch Abschied von Lapu-Lapu, Magellan, Cebu und Mactan nehmen.
Nicht ohne jedoch noch ein weiteres Highlight zu erleben.

Wer will schon ein solch tropisches Paradies freiwillig verlassen in dem Papayas einfach so in der Gegend rumwachsen?

Der Schwarm der Sardinen

Am Strand des Hotels war es möglich, sich kostenlos Schnorchelausrüstung zu leihen. Und da das Riff vor dem Hotelstrand von vielerlei Fischen bevölkert war, die fast bis ans Ufer schwammen, machten wir von diesem Angebot regen Gebrauch. Eine der Fischarten, die dort umherschwammen, waren Sardinen. Kaum waren wir im Wasser warf uns einer der Rettungsschwimmer ein altes Brot zu und sagte uns, wir sollten die Fische füttern. Vom Futter angelockt befanden wir uns plötzlich im Zentrum eines Sardinenschwarmes, der um uns herum einen  Kreis aus einigen zig Tieren bildete. Dazu gesellten sich verschiedene Drückerfische, Papageienfische und andere Arten, die wir schon vom Abendessen her kannten.
Und dies war wirklich ein tolles Erlebnis, kurz vor der Abreise.

Unsere Räumlichkeiten lagen in einer ruhigen Ecke der sehr grünen und gepflegten Anlage.

Wir kommen wieder

Eine Woche ist einfach zu kurz, um ganz Cebu zu erkunden. Es ist aber genug, um sich mit dem Cebu-Virus zu infizieren. Wir werden wohl wiederkommen (müssen), denn es warten noch Walhaie, Bergtouren und Bootsfahrten auf uns.
Also dann: Auf Wiedersehen, Cebu!

Auf Wiedersehen, Sommer, Sonne, Strand und Meer!

 

 

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