Ein Wochenende in Vancouver – Kann man machen, ist aber vieeel zu kurz

Kanada, wir kommen!
Vancouver? Ist das nicht in Kanada? Da am anderen Ende der Welt?
Für ein Wochenende? Macht das überhaupt Sinn?
Und warum dahin? Um die Zeit ist doch da Regenzeit!

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Orca-Monument.

Dies sind nur einige der Reaktionen auf unsere Ankündigung Ende Oktober/Anfang November für ein verlängertes Wochenende nach Vancouver zu fahren.
Allein, es war nicht nur unsere Entscheidung: Mein Arbeitgeber feierte sein 35-jähriges Firmenjubiläum mit einer Reise für alle Mitarbeiter sowie anteilig für Angehörige. Da für das Reiseziel bestimmte Vorgaben eingehalten werden sollten und Orte wie Hawaii, Australien oder Singapur schon auf früheren Firmenjubiläen angesteuert wurden, blieb aus allen Vorschlägen nur noch Vancouver über.

Zurück in die Vergangenheit
Kanada liegt, von Japan aus gesehen gleich auf der anderen Seite der Datumsgrenze. Der Zeitunterschied beträgt 16 Stunden. Da Flüge von Japan nach Kanada am frühen Abend starten, bleibt noch genügend Zeit, einen halben Tag arbeiten zu gehen.
Endlich am Flughafen in Narita, wurde unsere Gruppe vom Reiseagenten begrüßt und zum Check-In begleitet. Und schon zwei Stunden später saßen wir in einer neuen Boeing 787 der Air Canada und waren auf dem Weg. Der Flug dauert etwa achteinhalb Stunden und man fliegt hauptsächlich über den Nordpazifik. Nach etwa der Hälfte der Flugzeit überquert man die Datumsgrenze. Und während in Japan die ersten Minuten von Samstag dem 31. Oktober verstrichen, begann in Vancouver gerade Freitag der 30. Oktober. Jener Freitag der 30. Oktober, an dem ich doch gerade erst einen halben Tag gearbeitet hatte. Zeitreisen. Einfach verwirrend.

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Begrüßung in Vancouver mit First-Nations Holzschnitzkunst.


Vancouver – Perle am Pazifik

Vancouver begrüßte uns mit einer geschlossenen Wolkendecke und einer japanischen Reiseführerin. Die Einreiseformalitäten waren schnell erledigt und sogar Annas Visum wurde akzeptiert. Und da es gerade einmal kurz vor Mittag war, starteten wir gleich nach Granville Island, einer Halbinsel, die von einem Warenlager in ein Paradies mit Handwerkskunst, Ateliers, Restaurants und einer Markthalle verwandelt wurde.

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Der Public Market auf Granville Island.

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Obst- und Gemüsestand im Public Market.

Weiter ging unsere Bustour dann über Gastown und Downtown zum Hotel. Nach Check-In und einer kurzen Rast machten wir uns auf den Weg, Vancouver bei Nacht zu erkunden.
Vom Hotel gingen wir bergab nach Coal Harbour und entlang der Promenade zum Canada Place, dem großen Terminal für die Alaska-Kreuzfahrer.

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Downtown Vancouver von Granville Island aus gesehen.

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Wasserbusse verbinden Granville Island mit dem gegenüberliegenden Festland.

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Lustig bemalte Beton-Silos. Wie Granville Island: Früher Industrie, heute Kunst. Oder beides zusammen…

Von dort ist es nur ein Katzensprung nach Gastown, der Keimzelle Vancouvers. Hier tobt am Wochenende das Leben. Unzählige Bars und Restaurants laden Touristen wie Einheimische zum Feiern ein.

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Die Steam-Clock. Ein dampfbetrieben Uhr in Gastown.

Einen weiteren Party-Hotspot gab es gleich in der Nähe unseres Hotels: Robson Street. Auch hier viele Bars, Restaurants und Coffeeshops. Und alles sehr international: Von koreanischen, japanischen und amerikanischen Restaurants zu taiwanesischen Bubble-Tee-Läden gab es alles.

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Bubble-Tea!

Wir schlossen unseren Tag im „Earls“.

Exkurs:
In Kanada leben die  Kellnerinnen und Kellner vom Mindestlohn. Sie sind auf das Trinkgeld angewiesen. Aus diesem Grund sind sie sehr um die Kunden bemüht, dabei adrett gekleidet und sehr kommunikativ. Für den aus Japan anreisenden Touristen ist schon das Geben von Trinkgeld ungewöhnlich. Die Aufmerksamkeit, die einem von den jungen Damen entgegen gebracht wird, verstört gänzlich.

Sonne, Wolken, Regen
Unser eineinhalbter Tag in Vancouver begann mit einem Frühstück mit atemberaubender Aussicht über Stanley-Park und West-Vancouver. Denn wir saßen an großen Fenstern im 42. Stock, teilweise über den Wolken/Nebeln, die durch Vancouver waberten.

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Unser Hotel: Das Empire Landmark.

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Frühstückspanorama.

Nach dem Frühstück führte unser Weg wieder entlang Coal Harbour zum Canada Place. Diesmal bei Tageslicht.

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Wasserflugzeuge in Coal Harbour.

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Canada Place.

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Der Canadian Trail. Eine kurze Reise in Geschichte, Geographie, Kultur und Zukunft Kanadas.

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Auf dem Canadian Trail.

Auch eine kleine Runde in Richtung Hauptbahnhof war möglich, bevor wir Annas frühere Kollegin und ihren Mann, jetzt in Vancouver beheimatet, im Cactus Club Cafe trafen. Direkt neben dem Restaurant steht jene Skulptur, die im Jahre 2010 das olympische Feuer beherbergte.

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Das Cactus Club Cafe mit dem ehemaligen Olympischen Feuer.

Nach dem Mittagessen zogen wir einen Vorteil daraus, mit „Einheimischen“ unterwegs sein zu können. So wurde uns als Nachtisch ein Eis aus der besten „Eisdiele der Welt“ offeriert. Anna schlug bei Lavendel zu und ich probierte salziges Pekannusseis.

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Das beste Eis der Stadt? Kanadas? Der Welt? Auf jeden Fall hochdekoriert und superlecker.

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Eispräsentation in ungekannter Art. Halloween macht´s möglich.

Nächster Stopp auf unserem Rundgang, leider im Nieselregen, war Vancouver Lookout, ein Aussichtsturm mit einem Panorama-Deck auf 168m Höhe. Eine kurze und kostenlose Führung vermittelte einen Eindruck über die Sehenswürdigkeiten in und um Vancouver und einige Anekdoten gaben eine kurze Geschichte der Stadt.

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Blick auf Canada Place, North-Vancouver und Stanley Park vom Lookout aus.

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Blick auf das Olympia Stadion und die Eishockeyarena der Vancouver Canucks.

Auch wenn der Eintritt mit etwa über 16 kanadischen Dollars recht teuer erscheint, relativiert er sich, wenn man weiß, das man mit dem Ticket den Turm so oft man möchte besichtigen kann. So ist es möglich, und wir haben dies auch gemacht, sich Vancouver bei Tag und später bei Nacht anzuschauen, ohne noch einmal Eintritt zahlen zu müssen.

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Downtown Vancouver bei aufklarendem Himmel.

Während unseres Aufenthaltes auf dem Lookout klarte plötzlich der Himmel auf und die Sonne kam zum Vorschein.

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Karte von Stanley Park.

Bei schönem Wetter ist der Stanley-Park am westlichen Ende von Vancouver ein beliebtes Ausflugsziel. Was also wäre besser, die automobile Transportmöglichkeit von Annas Kollegin zu nutzen und zum Stanley-Park zu fahren.

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Originale Totempfähle der Ureinwohner Vancouvers.

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Jede der Figuren hat eine eigene Bedeutung und auch die Anordnung sagt viel über Status und Macht.

Gesagt, getan ging es schnurstracks zu den Totempfählen. Von dort aus ging es durch den Park weiter zum Leuchtturm und Prospect Point, einem Aussichtspunkt an der Mündung des Burrard Inlet in den Pazifik.

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Prospect Point. Mündung des Burrard Inlet in den Pazifik.


Von Monstern und Superheldinnen

Abends gingen wir, wie schon erwähnt, zurück zum Lookout, um Vancouver bei Nacht zu sehen.

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Gastown bei Nacht.

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Downtown Vancouver.

Nebenbei war an diesem Tag auch noch Halloween. Und eine glückliche Fügung: Samstag. Ganz Vancouver war kostümiert auf den Beinen, und selbst Gassy Jack, nach dem der Ortsteil Gastown benannt ist.

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Superheldinnen!

Gassy Jack´s Bar
Gassy Jack, bürgerlich John Deighton, wollte eine Bar eröffnen, hatte aber keine Lust viel Geld für Arbeit und Baumaterial auszugeben. So versprach er jedem, der ihm hilft und Baumaterial mitbringt, so viel Whisky, wie er an einem Abend trinken kann. Und siehe da, in nicht einmal 24 Stunden, so die Sage, stand die Bar fix und fertig da.

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Gassy Jack in Halloween Dekoration.

In allen Straßen und Bars waren Menschen in sehr fantasievollen Kostümen anzutreffen. Ein sehr schöner Kontrast zu den eher einfallslosen Kostümen in Japan. Aber Kanada hat ja auch eine viel längere Halloween-Tradition. Das zahlt sich ästhetisch eben aus.

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Cannabis kann in Vancouver ganz legal gekauft werden.


Ein Stück China in den Rocky Mountains – Dr. Sun Yat-Sen Garden

Unser letzter Tag stand im Zeichen von Andenkenkaufen, Chinatown und dem gemeinsamen Jubiläums-Dinner.
Hatten wir bisher alles in Vancouver zu Fuß erledigt. Die meisten Sehenswürdigkeiten sind nicht wirklich weit verstreut, mussten wir für Chinatown ans andere Ende der Stadt und entschieden uns, den Bus zu nehmen. So stellten wir uns an die Haltestelle der Linie 6 und warteten. Da wir den Fahrpreis nicht genau wussten, klaubten wir all unser Münzgeld zusammen.

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Mit dem O-Bus durch Vancouver.

Nachdem der Bus gehalten hatte, wir gefragt hatten, ob dieser auch wirklich nach Chinatown führe, der Fahrer, ein netter Herr mit indischen Wurzeln dies bejahte, drückte er auf einen Knopf an seinem Fahrkartenautomaten. Dieser spuckte zwei Fahrkarten aus und mit den Worten: “ Das geht auf’s Haus!“ ließ er uns in den Bus. Später, als wir nahe der Haltestelle zu Chinatown waren, rief er uns über die Sprechanlage zu sich und erklärte uns, wie wir von der Haltestelle nach Chinatown kommen.
Chinatown selbst war ein wenig enttäuschend. Nicht zu vergleichen mit San Francisco.

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Eingangstor nach Chinatown.

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Chinatown.

Allerdings wurden wir vom Dr. Sun Yat-Sen Garten mehr als entschädigt.

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Dr. Sun Yat-Sen Garten. Eine Oase aus Yin und Yang. Ein lebendiges Symbol der chinesisch-kanadischen Freundschaft: Ein kanadischer Ahorn und ein chinesischer Ginkgo.

Dieser klassische chinesische Garten wurde von einer kleinen Armee Gartenbauer aus China mit Materialien ausschließlich aus China (bis auf ein paar ausgewachsene Bäume aus Vancouver) errichtet.

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Feine Ornamente und das obligatorische Mondtor, das in keinem chinesischen Garten fehlen darf.

Auch hier hatten wir Glück und konnten an einer kostenlosen Führung teilnehmen. Nur so war es möglich, die chinesische Gartenbaukunst zu verstehen und seinen Blick auf spezielle Details zu lenken, die nur das geübte Auge erkennen kann.

Zurück in die Zukunft
Und schon war unser Aufenthalt in Vancouver zu Ende und es ging zurück in die Zukunft.

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Ein Stück kanadischer Wildnis im Flughafengebäude.

Denn wir starteten in Vancouver am Montag Mittag und erreichten nach knapp neun Stunden Tokio am Dienstag Spätnachmittag. Somit hatten wir in acht Stunden ganze eineinhalb Tage überbrückt. Die Datumsgrenze macht’s möglich.

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Das aquatische Leben rund um Vancouver. Gezeigt in einem Aquarium im Flughafen

Zu empfehlen war dieser Flug nicht. Aufgrund der starken Jetstreams, die wir kreuzen mussten, wurde der Flieger gut durchgeschüttelt. 
Also besser in Kanada bleiben. 😉

Fazit:
Wenn man diesen kurzen Moment in Kanada, um es mit den Worten des großen Philosophen Hrubesch zu sagen: „Paroli laufen läßt“, kommt man zu der Erkenntnis, dass Vancouver eine liebens- und lebenswerte Stadt ist. Ein verlängertes Wochenende ist knapp bemessen aber durchaus geeignet, eine schöne Zeit in der Stadt zu verbringen. Es gibt viel zu entdecken und zu sehen und die Menschen sind freundlich und zuvorkommend.
Es ist aber auf jeden Fall nötig, noch einmal dorthin zu fahren, um auch das Umland, die Berge, Vacouver Island usw. zu erkunden.
Vielleicht im Sommer, wenn das Wetter besser ist. Und dann länger. Und um unsere Freunde dort zu treffen, die uns „ihr“ Vancouver zeigen können.

Noch eine Anmerkung in eigener Sache:
Mit dieser Reise habe ich meine Umrundung des Erdballs vollendet.
Bisher war ich von Deutschland aus gen Westen bis nach San Francisco gekommen und gen Osten bis Japan und später von Japan nach Hawaii. Mir fehlte also nur noch die Strecke zwischen Hawaii und der nordamerikanischen Pazifikküste. Und dies habe ich nun auch erledigt.
Ich weiß, ich weiß, viele werden sagen, dass es keine richtige Umrundung ist, da sie nicht an einem Stück war und auch nicht in die selbe Richtung, aber für mich ist es dennoch eine Leistung. Und somit voll OK. 😉

Ich freue mich auf Kommentare!