Hakone – Piratenschiffe, Vulkane und schwarze Eier

Wer nach Tagesausflugsmöglichkeiten sucht, die innerhalb einer erträglichen Anreisezeit liegen und viel zu bieten haben, landet unweigerlich in Hakone.

Mit der Seilbahn durch den Fuji-Hakone-Izu Nationalpark schweben.

Etwa 100 km süd-westlich von Tokio liegt die Stadt Odawara, das Eingangstor zum Fuji-Hakone-Izu Nationalpark. Von hier aus lassen sich die Sehenswürdigkeiten per Bus, Bahn, Seilbahn, Schrägseilbahn und Schiff erkunden. Und wenn man gar vom Glück geküsst wird, kann man sogar einen atemberaubenden Blick auf den Fuji erhaschen.

Über Spitzkehren geht die Fahrt nach Gora.

Wir haben Hakone zweimal besucht. Im Frühling vor drei Jahren und in diesem Januar.
Die Reiseroute war fast dieselbe. Allerdings waren die Ausblicke und Eindrücke gänzlich andere. Die Bilder in diesem Beitrag stammen von beiden Expeditionen. Eine Bericht von Anna über die Januar-Tour kann hier gefunden werden.

Anreise
Zur Anreise nach Hakone stehen mehrere Möglichkeiten offen:
1. Mit der Tokaido-Line von Tokio nach Odawara
Fahrtdauer: etwa 80 Minuten
Fahrpreis: 1.500 JPY pro Fahrtrichtung
2. Mit der Odakyu-Line von Shinjuku nach Hakone-Yumoto
Fahrtdauer: etwa 85 Minuten mit dem „Romance Car“ (Spezial Express)
Fahrpreis: 2.080 JPY pro Fahrtrichtung
3. Mit dem Tokaido Shinkansen von Tokio nach Odawara
Fahrtdauer: etwa 35 Minuten
Fahrpreis: etwa 3.500 JPY pro Fahrtrichtung

Empfehlenswert ist auf jeden Fall der Erwerb eines „Hakone Free Pass“. Dieser kann entweder in Odawara für 4.000 JPY oder in Shinjunku für 5.140 JPY erstanden werden. Er beinhaltet sämtliche Verkehrsmittel innerhalb des Hakone-Gebietes sowie verbilligten Eintritt in Museen und Preisnachlässe in verschiedenen Restaurants und Geschäften. Der teurere „Hakone Free Pass“ von Shinjuku aus deckt auch die Anreise von Shinjuku nach Hakone-Yumoto. Allerdings fallen für den „Romance Car“ noch einmal 890 JPY pro Fahrtrichtung an Expresszuschlag an. In beiden Fällen summieren sich die Fahrtkosten auf etwa 7.000 JPY.

Die „Hello Kitty“-Version der berühmten schwarzen Eier von Owakudani.

Die touristische Standard-Route
Auch wenn die Möglichkeiten in Hakone unendlich erscheinen, so gibt es doch eine Route, die in fast allen Reiseführern bevorzugt wird. Und auch wir sind dieser Empfehlung gefolgt:

Nach unserer Ankunft mit der Tokaido-Line in Odawara bemühten wir uns um unsere Hakone-Pässe und bestiegen einen Zug in Richtung Hakone-Yumoto. Nach kurzer Fahrt entlang eines kleines Flusses erreichten wir Hakone-Yumoto und stiegen in einen der kleinen Züge der Hakone-Tozan-Line. Mit diesen geht es in 40 Minuten nach zur Endhaltestelle in Gora. Hierbei wird ein Höhenunterschied von 445m überwunden.
Hauptsehenswürdigkeiten auf der Strecke sind neben der wundervollen Natur die Deyama-Brücke, von der man eine atemberaubenden Blick 43 Meter tief hinunter auf den Fluss genießen kann und die drei Spitzkehren, die verbaut wurden, da es nicht möglich ist in dem engen Tal Kurven mit geeigneten Radii anzulegen. In jeder der Kehren hält der Zug und der Zugführer muss vom Fahrstand an einem Ende des Zuges in den Fahrstand am anderen Ende umsteigen, um den nächsten Streckenabschnitt in Angriff nehmen zu können.
Neben diversen Hotels mit angeschlossenem Onsen, liegt an der Strecke auch das Hakone Open Air Museum. Ein kleiner Park mit Skulpturen verschiedener Künstler.
Nach dieser idyllischen Fahrt (zumindest bei unserer Tour in Winter; im Frühling waren es einfach zu viele Leute) erreichten wir Gora. Einer kleinen Ortschaft auf etwa 553m.

Zentrale Fontäne im Hakone-Gora-Park. Im Hintergrund das europäisch anmutende Tee-Haus.

Gora
In Gora nahmen wir nicht die Möglichkeit wahr, direkt in die Hakone-Tozan-Standseilbahn umzusteigen und hinauf nach Sounzan auf 761m zu fahren, sondern entschieden uns einen kurzen Fußmarsch hinauf zum Hakone-Gora-Park zu unternehmen.

Die zentrale Fontäne.

Dieser französischen Gärten nachempfunden Park beherbergt neben der großen Fontäne in der Mitte und einem Rosengarten eine Vielzahl an Pflanzen der Hakone-Region. Innerhalb des Parks befinden sich auch japanisches Tee-Haus in einem japanischen Landschaftsgarten und einige Gewächshäuser mit tropischen Pflanzen.

Das japanische Tee-Haus wird von alten Bäumen und moosbedeckten Wegen umgeben.

Bei beiden Expeditionen schenkten wir diesem Park unsere Aufmerksamkeit, da aufgrund der verschiedenen Jahreszeiten unterschiedliche Impressionen von Pflanzen und Landschaft entstehen konnten.

Gerade im Frühling ist der Park ein Meer aus Formen, Farben und Gerüchen.

Vom Park gingen wir nur ein paar Meter zur Haltestelle „Koen-Shimo“ der Standseilbahn und fuhren hinauf nach Sounzan.

Mit der Standseilbahn hinauf nach Sounzan.

Owakudani
An der Endhaltestelle der Standseilbahn in Sounzan stiegen wir in die Seilbahn zum geografischen, wie auch touristischen Höhepunkt Hakones: Owakudani.

Von der Gondel aus lässt sich die Bergwelt der Izu-Halbinsel genießen.

Nachdem wir in die Gondel der Seilbahn eingestiegen waren, ging es auch schon mit 5 Metern pro Sekunde hinauf zur Bergstation auf 1044m. Sieht man auf den ersten paar hundert Metern hauptsächlich den Berg vor sich, öffnet sich der Blick auf dem Grat in das „Große kochende Tal“, wie Owakudani übersetzt heißt.

Owakudani liegt auf 1050m Höhe.

Unter uns sahen wir ein Tal mit rauchenden Erdspalten und von Schwefel gelbgefärbtem Gestein. Selbst in einigen zig Metern Höhe war es noch möglich, die Schwefeldämpfe zu riechen. Einer der Gründe, warum Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Atemwege oder des Herzens ein Besuch Owakudanis nicht empfohlen wird.

Trotz des Schnees im Winter, brodelt es unter der Erde.

Im Tal wird der natürliche Schwefel aus dem Vulkaninneren abgebaut.

Eine Schwefelmine im Detail.

Owakudani selbst bietet einige Besonderheiten: Nur wenige Fußminuten von der Bergstation befindet sich eine Aussichtsplattform von der man einen grandiosen Blick auf die Schwefelquellen und -minen hat. Und nur ein paar Meter weiter befindet sich der Eingang zu einem Pfad direkt hinein in das vulkanische Brodeln.

Über einen kleinen Besucherpfad gelangt man direkt an die Kaldera des Vulkans. Hier entstand auch ein neuer Krater nach dem letzten Ausbruch 2015,

Bei unserer Wintertour in diesem Jahr war dieser Pfad allerdings gesperrt. Wohl eine Vorsichtsmaßnahme die der letzten Vulkanaktiviät im Jahre 2015 geschuldet ist. Denn während dieser Phase war nicht nur Owakudani gesperrt, es hat sich auch ein neuer Krater in unmittelbarer Nähe des Pfades gebildet.

Die berühmten schwarzen Eier werden direkt im schwefelig-heißen Wasser gekocht.

Die Menge an zu kochenden Eiern, die es nur hier oben in Owakudani kaufen kann, ist enorm.

Allerdings wurden in diesem Winter damit entschädigt, durch Schnee zu stapfen und einen atemberaubenden Blick auf den Fuji zu erhaschen.

Von Owakudani geht der Blick weit hinein in die japanische Bergwelt.

Und wer geradezu vom Glück geküsst wird, kann einen fantastischen Blick auf den Fuji erhaschen.

Die obligatorischen „Kuro-Tamago“, die „schwarzen Eier“ konnten wir jedoch kaufen, auch wenn wir nicht sehen konnten, wie diese in den heißen Schwefelquellen gekocht werden.

Wer eine wissenschaftliche Erklärung für die schwarzen Eier wünscht. Bitte:

Neben der schwarzen Farbe der Schale ist jedoch kaum ein Unterschied zu normal gekochten Eiern zu finden.

Hinunter nach Togendai öffnet sich der Blick auf den Ashi-See mit seinen Ausflugsbooten.

Ashi-See
Von Owakudani nahmen wir den zweiten Abschnitt der Seilbahn über die Mittelstation in Ubako hinunter zur Talstation Togendai in Angriff. Hier glitten wir, den See und die dahinterliegenden Berge vor Augen durch eine Schneise im Wald dem Seeufer entgegen. Hier entstiegen wir der Gondel und treppten hinunter zur Anlegestelle der piratisch anmutenden Touristenschiffe, die den Ashi-See queren.

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, mit einem Piratenschiff die sieben Weltmeere unsicher zu machen?

Die Fahrt über den Ashi-See, oder See des Schilfrohrs, so die Übersetzung brachte uns ans andere Ende des Sees zur kleinen Ortschaft Hakone-Machi.

Beim ruhigen Dahingleiten auf dem See lässt sich herrlich entspannen…

… bis unverhofft das Tori des Hakon-Schreins im Wasser auftaucht.

Von der Anlegestelle gingen wir auf Schusters Rappen zur „Hakone-juku“, einem Nachbau der alten zehnten Zollstation entlang der alten Tokaido-Straße, der Hauptroute zwischen Edo/Tokio und Kyoto.

Von der Aussichtsplattform ist gut zu erkenne, wie die Zollstation den Durchgang zwischen Berg uns See blockiert.

In diesem Nachbau konnten wir sehen, wie die Zollbeamten lebten und arbeiteten.

Der Nachbau der alten Zollstation erzählt vom Leben in der Edo-Zeit.

Neben den Zollformalitäten konnte hier auch gerastet und genächtigt…

oder sogar gefangen gehalten werden.

Zurück nach Odawara
Von Hakone-Machi wanderten wir entland der alten Tokaido-Straße durch einen Zedernhain, von bis zu vierhundert Jahre alten Bäumen. Am Endpunkt der Zedernallee erreichten wir Motohakone. Hier bestiegen wir auf unserer Frühlingstour den Bus zurück nach Odawara.

Die alte Straße säumen jahrhunderte alte Zedern.

In Odawara ergriffen wir auf unserer Wintertour die Gelegenheit, die Burg bei Nach zu besichtigen.

Auch in der Nacht ein grandioser Anblick: Das Schloss in Odawara.

Kleine Unterschiede
Nachdem wir unsere Frühlingstour auf der normalen Standardroute planten, wollten wir für die Wintertour die umgekehrte Reihenfolge in Angriff nehmen. Nicht nur um den Touristenmassen aus dem Weg zu gehen, sonder hauptsächlich, um andere Eindrücke zu gewinnen. Allerdings machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. In Odawara angekommen, empfing uns eine Informationstafel mit dem Hinweis, dass die Seilbahn aufgrund eines Schneesturms nicht in Betrieb ist. Für unseren philippinischen Gast ein Segen, konnte er doch erwarten, zum ersten Mal in seinem Leben Schnee sehen und anfassen zum anderen ein Ärgernis, da die schwarzen Eier und die Schwefelquellen ausfielen.

Eine Schneeballschlacht auf einem aktiven Vulkan. Eine nicht ganz alltägliche Erfahrung.

So passten wir unsere Reiseroute den Gegebenheiten an, folgten der Standardroute bis Gora, besuchten den Gora-Park und nahmen dann die Bahn, um wieder zweit Stationen zurück zu fahren. In Kowakidani nahmen wir dann den Bus nach Motohakone, gingen durch die Zedernalle nach Hakone-Machi und gerieten an Bord des Schiffes nach Togendai in einen Regenschauer. Unser Plan war es dann von Togendai aus den Bus zurück nach Odawara zu nehmen. Den ersten Bus ließen wir passieren, da er nur bis Hakone-Yumoto gefahren wäre. So warteten wir auf den nächsten Bus. Zu diesem Zeitpunkt herrschte strahlender Sonnenschein von einem fast wolkenlosem Himmel. Was wir auch wahrnahmen, war Bewegung der Seilbahn.

So muss der Fuji aussehen.

Wir führten dies auf Testfahrten zurück, die nach dem Schneesturm sicherlich durchgeführt wurden. So saßen wir im Bus und warteten auf die Abfahrt.
Plötzlich jedoch ertönte von irgendwoher eine Lautsprecherdurchsage und unsere Mitfahrer verließen alle den Bus. Da wir des Japanischen nicht so sehr mächtig sind und der Mensch bekanntlich ein Herdentier ist, folgten wir unserer Herde zurück in die Seilbahnstation, um zu unserer Freude zu erblicken, dass diese in Betrieb genommen wurde und wir so doch noch die Chance bekamen, hinauf nach Owakudani zu fahren. Schon während unsere Fahrt schälte sich der Fuji aus seinem Wolkenkleid und erfreute uns mit seinem eher seltenen Anblick. Und die Bilder von Owakudani im Schnee, sprechen für sich selbst.

Wir haben die Hakone-Tour jetzt schon zweimal gemacht und werden sie wohl auch noch ein weiteres Mal in Angriff nehmen, denn noch haben wir nicht alles erkundet. Die Standard-Touristentour kann man gut in sechs bis sieben Stunden erledigen, ohne sich stressen zu müssen.
Da es den Hakone-Pass auch in einer Variante für mehrere Tage gibt, ist es möglich in einem der vielen Ryokans (traditionellen japanischen Herbergen) mit angeschlossenem Onsen, oder sogar Onsen auf dem Zimmer zu übernachten und somit das Erlebnis Hakone auszudehnen.

 

 

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