Hanami – Blüten, Planen, Dosenbier

Ende März in Japan –  eine besondere Zeit

Der 31. März  ist der wohl am meisten ersehnte Tag des Jahres.
Und dieses aus zwei Gründen:

Zum einen markiert er das Ende des japanischen Fiskaljahres und die damit einhergehenden arbeits- und streßreichen Wochen davor. Jeder ist darauf erpicht, Projekte, Aufträge und Aufgaben zufriedenstellend abzuschließen.

Zum anderen findet um dieses Datum herum die Kirschblüte statt. Jene Zeit im Jahr, die das Ende des Winters und den Beginn des Frühlings markiert. Jene Zeit im Jahr, in der das Leben aus den Häusern in die Natur verlegt wird. Jene Zeit im Jahr, in der die Japaner komplett ausrasten und sich dem öffentlichen Genuss alkoholischer Getränke unter blühenden Bäumen hingeben. Und das Exzessiv.

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Kirschblüten am Kanal.

 Hanami

Der Fachbegriff für diese frühlinglichen Ausschweifungen zur Kirschblüte ist: Hanami. Wörtlich übersetzt: Blüten anschauen. Generell ist jede Art von Blüten gemeint, verwendet wird der Begriff aber hauptsächlich für die Kirschblüte (Sakura). Traditionell braucht man für eine zünftige Hanami-Sause folgende Dinge: 
– einen blühenden Kirschbaum mit etwas Platz darunter (die stehen Gott-sei-Dank überall rum)
– eine blaue Plastikplane, je größer desto besser (hat jeder Japaner im Haus; mehrfach)
– viele Freunde (auch meist vorhanden, sonst gehen auch Arbeitskollegen)
– Snacks

– viiiiiieeeeel Dosenbier

Und dann geht es los!

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Hanami im Uneo-Park. Die extravagante Version.

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Hanami im Ueno-Park. Standardausführung mit blauer Plastikplane.

Aber auch sonst steht alles im Zeichen von Sakura. Ähnlich wie bei Weihnachten in Deutschland, wo alles in weihnachtlichem Dekor erscheint, ist es in Japan zur Kirschblüte. Es gibt Sakura-Marmelade, Sakura-Schokolade, Sakura-Alles. Auch für die Werbung wird Sakura ausgeschlachtet. Es gibt so gut wie keine Werbetafel, die nicht irgendwo eine Kirschblüte abgebildet hat.

 

Hanami-Plätze in Tokio

Tokio bietet eine Vielzahl von guten Plätzen für ein Hanami.

Der wohl meistbesuchteste Platz ist der Ueno-Park. Hier gibt es eine lange Allee von Kirschbäumen, die sich über einen sonst sehr breiten Weg spannen. Zur Hanami-Zeit ist dieser Weg jedoch recht schmal, da links und rechts große blaue Planen ausgelegt wurden. Diese sind meist von Firmen und/oder größeren Gruppen reserviert. Es ist hier recht voll und man läuft Gefahr, auf jeder Menge touristischer Erinnerungsfotos verewigt zu werden.
Aber auch viele, viele andere Plätze, Parks, Straßen, Flüsse und Kanäle in jedem Winkel Tokios bieten für etwa zwei Wochen ausreichend Gelegenheit, die herrlichen Kirschblüten zu betrachten.
An einigen Orten, wie im Ueno-Park, kann man auch des Nachts Kirschblüten betrachten gehen, das sogenannte Yosakura. Hierfür werden kleine Papierlaternen in die Bäume appliziert, welche dann die schneeweißen Kirschblüten stimmungsvoll anleuchten.

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Laternen für Yosakura.

Die Blüte im Bier

Einige Japaner feiern Hanami gerne zum Ende der Saison. Anstatt der obligatorischen Bierdosen gibt es dann offene Becher oder Gläser, denn es soll besonderes Glück bringen, wenn ein Kirschblütenblatt leise vom Baume segelnd und sich auf dem Bier niederlässt…

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Wandeln unterm Blütenhimmel.

Was soll`s…

Für den Mitteleuropäer, der dies zum ersten Mal sieht, wirkt alles etwas befremdlich, da uns das gemeinsame Sitzen auf blauen Plastikplanen nicht so zu Eigen ist. Aber ich kann versichern, man gewöhnt sich schnell daran. Und verfällt schon im nächsten Jahr dem Sakura-Wahn. Schon Wochen vorher werden ausgiebig die Wettervorhersagen studiert, um den Zeitpunkt der vollen Blüte nicht zu verpassen. Fun Fact: Es gibt einen offiziellen Sakura-Indikator-Baum dessen Blütenöffnungszustand vom obersten japanischen Wetterfrosch im nationalen Fernsehen täglich verkündet wird. Und wenn das nicht schon den Ernsthaftigkeit der Lage erklärt, dann vielleicht die Tatsache, dass der letzte Meteorologe, der sich bei seiner Sakura-Vorhersage um nur einige wenige Tage vervorhersagt hat, sofort gefeuert wurde.

Also gehet hinaus und schauet euch Kirschblüten an! Es lohnt sich!

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Kirschblüten in rosa und weiß. Ukita-Park.

 

 

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