Kamakura – Die verborgenen Schätze

Schon wieder Kamakura?
Ja, schon wieder ein Blog über Kamakura. Es gibt aber auch einfach viel zu viel zu entdecken. Nicht nur den großen Buddha, den Hase-dera Tempel und den Tsurugaoka Hachimangu Schrein.

Einheimische Führer
Wie immer wenn man irgendwo auf Entdeckungstour geht, ist es ratsam, sich einen lokalen Führer zu suchen. Denn nur so ist es möglich, die verborgenen und nicht von Touristen überlaufenen Kleinode zu finden.
In unserem Fall wurde diese Kamakura-Tour von einem netten Ehepaar, Mika und Yoshi, übernommen, das wir von Annas Sprachaustausch kennen.

Hokokuji Bambusgarten
Schon in aller Herrgotsfrühe mussten wir aufbrechen, um unseren Treffpunkt um 9:00 Uhr in Kamakura pünktlich zu erreichen.

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Haupthalle des Hokokuji-Tempels.

Vom Bahnhof in Kamakura machten wir uns dann mit dem Bus auf den Weg zum Hokokuji-Tempel. Dieser dem Zen-Buddhismus angehörige Tempel wurde zum Gedenken an Ashikaga Ietoki, den Großvater des ersten Schoguns des Ashikaga-Schogunates, im Jahre 1334 errichtet.
Neben dem Gautama Buddha in der Haupthalle ist der Bambus-Hain das herausragende Merkmal dieses Tempels. Daher wird er auch oft als Bambus-Tempel bezeichnet.

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Eingang zum Hokokuji-Tempel.

Schon der Weg vom Tor zum Tempel ist geprägt von klaren Strukturen, die dennoch eine eigentümlich natürliche Umgebung suggerieren. Besonders die weißen und braunen Kiesel erwecken den Eindruck eines ruhig dahingleitenden Flusses.

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Eine Flußlandschaft in Zen-Stil.

Hinter dem Tempelgebäude erstrecken sich der Zen-Garten, eine Höhle mit Gräbern früherer Ashikaga-Herrscher und der Bambus-Hain.

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Im Bambusgarten.

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Hohe Bambusstäbe. Stabil und doch biegsam.

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Ein grandioser Anblick. Bambus wohin das Auge reicht.

Inmitten des kühlen Waldes aus Bambus steht ein Tee-Haus. Mit Blick auf die starken und doch biegsamen Bambusstäbe wärmten wir uns bei einer Schale Matcha auf.

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Ein Matcha und ein Stück Zuckerblüten.

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Zen-Garten im Hokokuji.

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Stillleben.


Goshuincho – Das etwas andere Souvenir

Bevor wir den Hokokuji verließen gab uns Yoshi ein kleines, aber sehr spezielles Notizbuch: ein Goshuincho.

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Unser Goshuincho.

Goshuin ist ein spezieller roter Stempel, der jedem Tempel und Schrein eigen ist. Cho bedeutet einfach Buch. Das Goshuincho ist also ein Buch für die besonderen Stempel in Schrein und Tempel. An den Kiosken für Gebetstäfelchen oder Omamori (Schutzzeichen, Talisman) kann auch das Goshuincho abgegeben werden und für einen Obolus von um die 300 Yen kalligraphiert ein Mönch oder Bediensteter den Namen des Tempels/Schreins und das Datum in das Buch und versieht es mit dem roten Stempel.

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Tempelbediensteter beim Kalligraphieren unseres Goshuincho .

Diese Goshuincho sind ein sehr schönes Souvenir und nicht vielen Touristen bekannt.

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Goschuin des Hokokuji-Tempels.


Mittagessen mit Blick auf den Fuji

Vom Hokokuji ging es mit dem Taxi hinauf in die Berge nach Kamakurayama. Hier steht, umgeben von einem riesigen in den Hang gebauten Garten das Restaurant „Rai Tei„. Hier sollten wir unsere Mittagessen, ein 9-gängiges Kaiseki, in traditioneller Atmosphäre einnehmen.

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Hauptgebäude des „Rai Tei“.

Da wir etwas zu früh waren, hatten wir noch Zeit, durch den Garten zu gehen und die Ruhe und Abgeschiedenheit zu genießen.

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Kleine Pagode in Garten des „Rai Tei“.

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Ein kleiner Bambushain.

Zurück im Restaurant wurden wir von Damen in Kimono zunächst in eine große Halle mit bunten Glasfenstern und einem atemberaubendem Blick geführt. Wir hatten sogar das Glück, den Fuji sehen zu können!

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Empfangsraum des Restaurants…

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mit grandiosem Blick über den Garten auf den Fuji.

Unsere Essen wartete in einem von drei japanischen Räumen auf uns. Und während wir die vielen Köstlichkeiten verzehrten, genossen wir die grandiose Aussicht.

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Gegrilltes und mariniertes Hühnchen, Suppe, Sashimi und Austern. Teil unseres 9-gängigen Menüs.

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Menüfolge unseres Kaisekis.


Tsurugaoka Hachimangu – Abseits des Trubels

Nach Essen und einem weiteren Spaziergang durch den Garten des „Rai Tei“ fuhren wir mit dem Bus zurück zum Bahnhof in Kamakura, um uns zum Tsurugaoka Hachimangu durchzuschlagen (siehe auch hier). Dort angekommen wählten wir nicht den Hauptweg, sonder schlugen uns rechts „in die Büsche“ und betraten den Pfingstrosengarten.

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Im Pfingstrosengarten ist es herrlich ruhig und man den Eichhörnchen beim Spielen zusehen.

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Der Genpie-Teich.

Auch wenn ein wenig kahl, da wir ja jetzt Herbst haben, war der Weg durch diesen Teil des Schreins schön ruhig und erholsam. Außerdem hat man einen Blick auf den Genpie-Teich mit dem Hataage Benzaiten Schrein auf einer Insel in der Mitte. Am Ende des Pfingstrosengartens steht ein Saikan, ein Gästehaus, in dem wir uns bei einem weiteren Matcha stärkten.

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Matcha und Zuckervögelchen, um den bitteren Teegeschmack abzumildern.

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Garten des Gästehauses.

Während unseres Aufenthaltes in Tsurugaoka Hachimangu sahen wir einige Paare in Hochzeitsgewändern und konnten sogar einer traditionellen Shinto-Hochzeit beiwohnen.

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Shintoistische Hochzeitszeremonie.

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Frischverheiratetes Paar bei Fotoaufnahmen.


Kencho-ji – Meditation bedeutet Schmerzen

Ein paar Gehminuten abseits des Tsurugaoka Hachimangu erwartete uns die letzte Station auf unserer „Tempel-Hopping“-Tour: Kencho-ji. Dieser dem Zen-Buddhismus zugehörige Tempel steht an erster Stelle der großen fünf buddhistischen Tempel in Kamakura und beherbergt das älteste Trainingszentrum für Mönche in Japan.

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Eingang zum Kencho-ji.

Berühmt ist der im Jahre 1253 erbaute Tempel für das Karamon, das Tor im chinesischen Stil, die Buddhahalle (Butsuden) und die Chinesischen Wacholderbäume, die bis zu 750 Jahre alt sind.
Als besonderes Highlight begaben wir uns in die Meditationshalle (Zendo) um an einer buddhistischen Meditation teilzunehmen.

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Das goldverzierte Karamon.

Nach betreten der Halle nahmen wir uns eine der bereitliegenden Matten, zogen unsere Strümpfe auf und setzten uns (oder versuchten es zumindest), der Anleitung folgend, im Lotussitz auf die gefalteten Matten. Pünktlich um 18:00 Uhr erschien der Mönch und erklärte uns die Prozedur.
Die erste Runde der Meditation dauerte eine knappe halbe Stunde. Während dieser Zeit sitzt man ruhig auf seiner Matte und starrt gut einen Meter vor sich auf den Boden und meditiert.
Während dieser Zeit geht der Mönch schweigend einen Stock vor sich her tragend durch die Reihen. Und wenn sich jemand müde fühlt, bringt er die Hände vor sein Gesicht und gibt dem Mönch damit ein Zeichen. Dieser bleibt dann vor einem stehen und es erfolgt eine Verbeugung. Anschließend muss man sich, die Arme vor der Brust gekreuzt, tief hinunter beugen.

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Die Meditationshalle. Die blauen Matten werden gefaltet und als Sitzkissen benutzt.

Und dann kommt er:  der Stock. Von des kräftigen Mönches Armen getrieben kracht der hölzerne Prügel auf den Rücken nieder. Zweimal auf der einen, zweimal auf der anderen Seite.
Es hört sich schmerzhaft an, ist aber nur im ersten Moment schlimm. Danach breitet sich eher eine wohlige Wärme aus. Allerdings ist es ein wirklich probates Mittel gegen Müdigkeit.
Nach einer halben Stunde brachte der Mönch die erster Runde zu Ende. Wir konnten uns entspannen und die teilweise abgestorbenen, da das Sitzen auf dem Boden nicht gewöhnt, Füße wieder zu beleben.
Es folgte eine zweite Runde von wieder einer halben Stunde, bis ein kurzer Text, in eigentümlichem Singsang vorgetragen, die Meditationszermonie beendete.
Einige Leser haben wahrscheinlich schon einmal an einer Meditation in Deutschland teilgenommen. So auch ich. Man liegt oder sitzt gemütlich, schließt die Augen und bei beruhigender Musik werden Texte verlesen. Aber jetzt weiß ich, was richtige buddhistische Meditation bedeutet. Und die ist schmerzhaft….

Ich freue mich auf Kommentare!