10.000 Meter unter dem Meer und blaue Glücklichmacher

 

umiberri

Umihotaru – Das Meeresglühwürmchen
Es gibt Orte auf der Welt, die kann man nur zu Fuß erreichen. Es gibt auch Orte auf der Welt, die kann man nur mit dem Flugzeug oder Boot erreichen. Und dann gibt es Orte, die kann man nur mit dem Auto erreichen. Oder Bus. Oder LKW.

Umihotaru, das Meeresglühwürmchen, ist ein solcher Ort. Umihotaru ist eine künstliche Insel in der Bucht von Tokio, die jenen Punkt markiert, an welchem der 10km lange Tunnel der Tokyo Bay Aqua Line Autobahn in eine 4,4km lange Brücke übergeht. Die Insel ist jedoch nicht nur der Übergang zwischen Tunnel und Brücke, sonder beherbergt auch einen Autobahnrastplatz mit einem kleinen Museum über den Tunnelbau sowie Aussichtsplattformen, Andenkenläden und Restaurants.

IMG_4126

Modell des Rastplatzes Umihotaru

Um am Wochenende des „Umi No Hi“, dem Tag des Meeres sollte unser Feiertagsausflug zu eben jener Insel in den weiten der Bucht von Tokio gehen. Um ganz stilecht im maritimen Thema des Feiertages zu bleiben, holten uns unsere Freunde mit ihrem Auto, einem Honda Odyssey (!) ab. Entlang der Bayshore Route ging es zum Knotenpunkt Kawasaki Ukishima, dem Eingang zum längsten Auto-Unterseetunnel der Welt, der Tokyo Bay Aqua Line. Und so wandelten wir wie Jules Verne, zwar nicht 20,000 Meilen, aber doch gut 10,000 Meter, unter dem Meer.

IMG_4115

60 Meter unter der Meeresoberfläche verläuft der längste untermeerische Autobahntunnel der Welt.

Wer nun meint, ein Autobahnrastplatz kann nicht von großem touristischen Wert sein, der mag bei vielen Rastplätzen recht haben. Nicht so in Umihotaru: Die letzten zwei Kilometer ging es nur im Schneckentempo voran, da die Zufahrt zum Parkplatz den anstürmenden Besuchermassen nicht gewachsen war. Die Betreiber des Rastplatzes hatten jedoch in weiser Voraussicht ein Tor in der Umzäunung geöffnet, um den Automassen einen Zugang zu einem Aushilfsparkplatz zu ermöglichen.

DSC_3776

Östliches Ende der künstlichen Insel Umihotaru mit Blick auf das Museum und die Brücke nach Kisarazu.

Der Rastplatz mit seinen Restaurants und Aussichtsplattformen und dem grandiosen Blick auf Tokio und die großen Containerschiffe ist für viele schon Attraktion genug.

IMG_4132

Leckeren Unagi (Aal) zum Mittagessen.

Es ist sogar so attraktiv, dass es eine reguläre Busverbindung zwischen Kawasaki, Umihotaru und der Stadt Kisarazu auf der Boso-Halbinsel gibt.

DSC_3771

Die segelförmige Konstruktion „Kaze no to“ liegt auf der Hälfte des Tunnels und dient der Belüftung.

IMG_4145

Der Bohrschild der Tunnelbohrmaschine fräste Löcher von über 14 Meter Durchmesser in den Meeresboden.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt Umihotaru in letzter Zeit, da hier ein Teil des neuen japanischen Godzilla-Films gedreht wurde.

DSC_3768

Godzillas gigantische Fußstapfen.

DSC_3769

Gedenktafel und Punkt für die beste Aufnahme der Fußstapfen.

So gibt es nicht nur die riesigen Fußabdrücke Godzillas zu sehen, die den Punkt markieren in dem Godzilla ins Meer stieg, sondern auch eine kleine Ausstellung von Filmplakaten und Memorbilien früherer Filme und Requisiten aus dem aktuellen Film. Selbst eine kleine Stempel-Schnitzeljagd, bei der neun verschiedene Stempel gefunden werden müssen, wird mit einem kleinen Godzilla-Geschenk belohnt.

DSC_3784

Ausstellung alter Godzilla-Filmplakate.

DSC_3781

Godzilla-Modell.

Das Museum informiert mit einigen Exponaten und Tafeln, sogar in Englisch, über die Planung und Entstehung der gesamten Infrastruktur und informiert auch über die Sicherheitsmaßnahmen.

IMG_4123

Eingang zum Museum.

IMG_4130

Unterhalb der Fahrbahn befindet sich der Service- und Rettungstunnel. Über Rutschen neben der Fahrbahn im Haupttunnel, können Menschen evakuiert werden.

IMG_4127

Über eine solche Rutsche werden die Menschen im Tunnel evakuiert.

Und so lassen sich ein paar entspannte und spannende Stunden auf dieser ungewöhnlichen Touristenattraktion verbringen.

IMG_4156

Auf Stempel-Jagd! Und schon fast alle gefunden!

DSC_3782

Auch die Andenken sind vom Tunnel inspiriert. Hier ein etwa ein Meter langer Aqua-Tunnel-Baumkuchen.

Kleine, blaue Glücklichmacher
Doch unser Ausflug war noch nicht vorbei. Die nächste Station lag in den Bergen der Boso-Halbinsel: Norari Kurari, ein Bauernhof mit Blaubeeren-Feldern.

Auf dem Weg legten wir einen Zwischenstopp am Bahnhof Makuta („Ein Pferd wird kommen“; uMA = Pferd und KUTA = Kommen) ein, um den temporären Stationsvorsteher, ein Pferd, zu sehen.

IMG_4161

Der Bahnhof Makuta…

IMG_4164

… und sein tierischer Stationsvorsteher in Uniform.

Gut 10 Minuten Fahrt vom Bahnhof entfernt ging es durch ländliche Szenerie in kleines Tal voller Reisfelder und Obstbäume, gesäumt von Bambus-Hainen und Nadelgehölzen. Inmitten dieser Idylle standen die Blaubeer-Büsche von Norari Kurari und luden zum Selberpflücken ein.

IMG_4173

Die Blaubeerselbstpflückplantage Norari Kurari…

IMG_4172

… und die Reihen an Büschen mit den blauen Glücklichmachern.

Für JPY 1,000 Eintritt konnten wir so viele Blaubeeren essen wie wir wollten und sogar eine kleine Schale als „Andenken“ mit nach Hause nehmen.

IMG_2899

Der Blaubeer-Pflücker mit traditioneller Kopfbedeckung und modernem Sammelkörbchen

Und so starteten wir in die Beeren und testeten jeden einzelnen Busch auf den Süßegrad der Beeren. Denn wir wollten auf jeden Fall die größten und süßesten Beeren finden.

IMG_4168

Der Biologe erkennt sofort die verschiedenen Reifestadien der Beeren.

Und das allerbeste an diesem Vergnügen: wir waren ganz alleine und konnten uns ganz ungestört den Beeren widmen.

Meer

Ein „Andenken“ herrlicher, süßer Blaubeeren. Leider hat das Andenken nicht lange gehalten…