„Olle Kamellen Reloaded“: Fuji – Staub, Stein, Kälte für einen spektakulären Sonnenaufgang

Am 07.08.2010 bestiegen Sebastian und ich den höchsten uns mystischsten Berg Japans, den Fuji. Hier ist mein Bericht von damals:

„​Einmal sollte ein jeder Japaner den Fuji besteigen. Und auch jeder, der längere Zeit in diesem Land verbringt. Da es im letzten Jahr nicht geklappt hat und keiner weiss, wie lange wir, also der Sebastian und ich, noch in Japan weilen, musste die Fuji-Besteigung dieses Jahr in Angriff genommen werden.

IMG_3890.JPG

Erster Blick auf den Fuji bei der Anfahrt zur 5. Station.

IMG_3897.JPG

Der Fuji und sein Besteiger. Noch guter Dinge.

Nach einer guten Woche Vorbereitungszeit mit der Suche nach der verkehrsgünstigsten und preiswertesten Anreisemöglichkeit und dem täglichen Wetter-Check wurde Samstag der 07.08.2010 als bestmöglicher Aufstiegstag ermittelt.
Um 14:30 Uhr fuhren wir also von Shinjuku aus nach Kawaguchiko. Nach gut drei-stündiger Fahrt waren wir am Fuße des Fuji angekommen. Vom Bahnhof Kawaguchiko konnte man ihn schon sehen, den Berg, den wir bezwingen wollten. Mit dem Bus ging es hinauf zur fünften Station auf etwas über 2000 Metern Höhe.

CIMG1145

Sonnenuntergang.

CIMG1164

Sonnenuntergang auf der 5. Station.

Hier bewunderten wir zunächst den grandiosen Sonnenuntergang, kauften uns patriotische Fuji-Wanderstäbe mit Glocken und Fahne und machten uns gegen 19:00 Uhr auf den Weg.

CIMG1186

Aufstieg. Patriotisch und mit Gebimmel.

IMG_3924.JPG

Felsen, Felsen, Felsen.

Voller Elan ging es los! Die sechste und siebte Station waren schnell geschafft. Es galt zwar einige Gruppen zu überholen, aber dies war dank der LED-Stirnlampen überhaupt kein Problem. An jeder Station waren schon viele Menschen versammelt, die sich hier zur Nachtruhe ein Bett, oder zumindest ein Schlafplätzchen reserviert hatten. Wir haben darauf verzichtet, da Preise von über 6000 Yen für eine Matratze zu teuer und das Übernachten in einem Ein-Raum-Schlafraum mit hoher Geräuschkulisse nicht wirklich das ist, wo man sich ausruhen kann. So haben wir an den Stationen unsere Stempel für 200 Yen das Stück auf unsere Wanderstöcke brennen lassen und sind weitergestiegen.

IMG_3915.JPG

Einbrennen der Stations-Marken auf den Wanderstäben.

IMG_3943.JPG

Wie bei einer echten Erstbesteigung!

Schon auf dem Weg nach oben hatten wir ein grandioses Panorama auf die Ortschaften rund um die Fuji-Seen und den Großraum Tokio-Yokohama in der Ferne.

CIMG1178

Den Lindwurm der Bergsteiger vor Augen…

CIMG1181

… und Tokio in der Ferne

Nach gut eineinhalb Stunden haben wir eine Pause gemacht, um die Energievorräte wieder aufzufüllen. Und weiter ging es Richtung Gipfel. Gegen etwa 22:00 Uhr wurde es ruhiger auf dem Weg. Die meisten der Hütten schließen um diese Zeit und die Bergsteiger müssen dann im Bettchen liegen, wenn sie nicht vor verschlossener Tür stehen wollen.

IMG_3914.JPG

An der siebten Station.

Auf halbem Weg zwischen der achten und der neunten Station wurde es merklich kälter und der Wind wurde stärker, so dass wir uns entschlossen, an der neunten Station eine längere Rast einzulegen. Die neunte Station entpuppte sich jedoch als verschlossenes Hüttchen.

CIMG1202

Ausblick von der 9. Station.

Nichtsdestowenigertrotz fanden wir ein windgeschütztes Fleckchen und rasteten. Schon allein, um die kribbelnden, halb erfrorenen Finger wieder aufzuwärmen und sich an die dünne Höhenluft zu gewöhnen.

CIMG1197

Bergsteig-Profi (links) vs. Bergsteig-Laie (rechts).

CIMG1198

Gegen die dünne Luft wappnet sich der Japaner mit Doping aus der Dose.

Zwischen 0:30 Uhr und 1:00 Uhr bemerkten wir, dass immer mehr Menschen an unserem Rastplatz vorbei kamen und als Sebastian einen Blick den Berg hinunter warf war klar, dass wir aufbrechen musste, um nicht vom unendlichen Lichterwurm verschlungen zu werden, der sich den Berg hinaufwälzte. Gott sei Dank hatten wir es von der neunten Station bis hin zum Gipfel nur noch 400 Meter.

IMG_3936.JPG

Fast oben.

So erreichten wir gegen 1:30 Uhr den Gipfel des Fuji! Mein persönlicher, wenn nicht sogar Familien-Höhenrekord!
Dann begann der schwierigste Teil des ganzen Aufstiegs: Das Warten auf den Sonnenaufgang um 4:48 Uhr. Bei eiskalten Temperaturen um den Gefrierpunkt sassen wir dick eingemummelt und trotzdem zitternd in der ersten Reihe. Eine Tortur. Erst als sich Leute hinter uns setzten hatten wir etwas Windschutz.

IMG_3937.JPG

Irgendwie wird man immer lustiger, je höher man kommt…

IMG_3969.JPG

Warten in Eiseskälte. Aber in der ersten Reihe.


Aber das Warten hat sich gelohnt. Auch wenn wir es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wirklich genießen konnten.

CIMG1244

Der Mond steht noch am Himmel aber die Morgenröte ist schon zu erahnen.

CIMG1249

Es wird heller…

CIMG1267

Und dann blinzelt sie über den Horizont: Die Sonne!

IMG_4003.JPG

Und es gehen ein „Ahhhh!!“ und ein „Sugoi!“ durch die Runde.

IMG_4019.JPG

Sonnenaufgang über einem der fünf Fuji-Seen.

CIMG1294

Und wir waren nicht die Einzigen, die diesem Spektakel beiwohnten.

CIMG1301

IMG_4023.JPG

Es waren sogar so viele unterwegs, dass nicht für alle Platz auf dem Gipfel war. Diese Wanderer warten noch, den Gipfel zu erreichen.

Wir waren einfach zu durchgefroren und müde und wollten nur noch ins Tal, nach Hause und ins Bett. Die Kraterumrundung haben wir uns geschenkt und haben uns direkt auf den Rückweg gemacht.

CIMG1261

Zeit, uns auf den Weg zu machen.

IMG_4024.JPG

Und so, wie sich der Lindwurm des Nachts hinaufwindet, muss er am Morgen auch wieder hinunter.

CIMG1307

Stau im Staub.

Hätten wir geahnt, was uns auf dem Rückweg erwartet, hätten wir den Aufstieg erst gar nicht in Angriff genommen. In recht steilen Serpentinen geht es über eine gut 5-10 cm dicke Schicht losen Gesteins. Ständig rutscht man auf den losen und porösen Lavasteinen aus.

IMG_4021.JPG

So sieht ein Vulkan also bei Lichte aus….

CIMG1329

Loses Geröll auf steiler Strecke. Abenteuerlich und nicht ungefährlich.

CIMG1316

Einbahnstraßenverkehr. Links der Hütte geht es hoch, rechts der Hütte geht es runter.

Das war durchaus wesentlich anstrengender als der Aufstieg. Nach einer Ewigkeit, die jedoch nur drei Stunden dauerte, waren wir endlich total erschöpft und demotiviert zurück an der fünften Station.

CIMG1331

Fast unten. Und noch einen letzten Blick zum Gipfel. Man will ja sehen, wo man des Nächtens entlang gestolpert ist.

Gerade rechtzeitig, um den Bus zum Bahnhof Kawaguchiko zu nehmen. Von dort ging es dann zurück nach Tokio, wo wir gegen 13:30 Uhr ankamen.

CIMG1142

Ein letzter Blick auf den Fuji, bevor der Zug in Richtung Tokio rollt.

Ein Fazit:
Während des Frierens auf dem Gipfel, auf dem Weg nach unten und zu Hause war der einzige Gedanke: Es hat sich nicht gelohnt. Der Berg ist es nicht Wert sich solchen Strapazen auszusetzen.
Jetzt, einige Tage später, sieht die Sache schon anders aus: Der Berg ist es durchaus Wert ihn zu besteigen. Man muss nur darauf achten, genügend warme Kleidung mitzunehmen. Im Endeffekt war es eine große Herausforderung, eine große Leistung, ein großes Abenteuer.
 
CIMG1318

Total geschafft und müde…

Wir haben es geschafft! Und würden es vielleicht sogar wieder machen…..
 

Ich freue mich auf Kommentare!