Sommer in Tokio – Feuerwerk, Matsuri, Zikaden Teil I

Tokio im Sommer
Dass der Sommer in Tokio feucht und heiß ist, habe ich ja schon in einem früheren Post abgehandelt.

Nichtsdestowenigertrotz treibt es die Menschen dennoch aus ihren klimatisierten Häusern und Büros, denn es gibt so viel zu tun und zu erleben. Im Sommer. In Tokio.

Hanabi
DAS Ereignis schlechthin für jeden Japaner, jede Japanerin und jedes Japanerle, aber auch für die Zugezogenen ist das Feuerwerk, Hanabi genannt.
Ursprünglich gedacht, die bösen Geister zu vertreiben, haben sich die Feuerwerke mittlerweile einen Festivalcharakter angeeignet: Menschen in leichten und farbenfrohen Yukatas (Sommer-Kimonos) strömen schon Stunden vor dem eigentlichen Beginn des Feuerwerks zu den Arealen, um die besten Plätze zu ergattern. Dort werden dann die bunten Plastikplanen ausgebreitet und die die Zeit bis zum Start mit spielen, essen und trinken überbrückt.
Um auch sicher zu gehen, dass ein jeder gut sehen kann und der Feuerwerksgenuss nicht durch Gebäude, Bäume oder ähnliches versperrt wird, werden bei einigen Feuerwerken stündlich Testraketen gestartet, damit der Zuschauer weiß, wo genau das Feuerwerk stattfindet und er entscheiden kann, ob er einen guten Platz gefunden hat. Kundenservice allenthalben.
Hanabis finden in ganz Japan hauptsächlich in der Zeit von Mitte Juli bis Ende August statt.

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Edogawa Hababi 2015.

Hanabi in Tokio
Hier in Tokio gibt es eine ganze Reihe Feuerwerke, die unterschiedliche Charaktere besitzen.

Sumidagawa-Hanabi
Am bekanntesten in Tokio ist wohl das Sumidagawa-Hanabi. Es findet in Asakusa auf dem Sumida-Fluss statt und ist das älteste (seit 1733) in Japan bekannte Feuerwerksfestival. Das Besondere ist nicht nur seine Dauer von etwa 90 Minuten, die Anzahl der gezündeten Feuerwerkskörper von etwa 20.000 sondern auch, dass es an zwei Orten auf dem Fluss gezündet wird und eigentlich ein Wettstreit der besten Feuerwerker Japans ist. Hier werden neue Kreationen ausprobiert und das ganze im Fernsehen live übertragen. Viele Japaner beobachten das Feuerwerk während sie gleichzeitig die Liveübertragung auf ihren Mobiltelefonen verfolgen, um zusätzliche Informationen über die gezeigten Choreografien zu bekommen. Tradition und Moderne – in Japan untrennbar verbunden.

Jeder, der die Gelegenheit hat, sollte sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen.
Aus eigener Erfahrung möchte ich ein paar Tipps mit auf den Weg geben:
Aufgrund der engen Bebauung in Asakusa, dem betonierten Flussbett und den vielen Kirschbäumen ist es nicht einfach, einen guten Platz zu finden. Auch sollte man schon morgens anreisen, um bei der schieren Menge an Menschen überhaupt einen Platz zu finden. Ein weiteres Problem bereitet das Ende des Feuerwerks. Bis zu einer Million Menschen wollen dann nach Hause fahren. Um diese Massen ohne Panik zu bewältigen, wird oft nur ein Eingang  der örtlichen Metrostation geöffnet. Dies hat zur Folge, dass Wartezeiten von zwei bis drei Stunden keine Seltenheit sind, bevor man überhaupt eine U-Bahn zu Gesicht bekommt. Es bieten sich dann drei Alternativen an: 1. Sitzenbleiben, Abwarten und Weiterfeiern, 2. Eine Bar oder ein Restaurant in der Nähe aufsuchen und die Zeit dort verbringen, oder 3. die knapp zwei Kilometer nach Ueno laufen und von dort ein öffentliches Verkehrsmittel nehmen. Diese dritte Alternative ist wohl auch die Schnellste und verlaufen kann man sich eigentlich nicht. Einfach nur der Herde nach.
Informationen zu weiteren Hanabis in Tokio gibt es hier oder hier.

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Japanerinnen in Yukata auf der Suche nach einem Sitzplatz in einem Meer von tausenden anderer Besuch  am Ufer des Edo-Flusses.

Edogawa Hanabi und Koto Hanabi
Wie schon im letzten Jahr haben wir uns auch in diesem Jahr für zweit Hanabis entschieden: Edogawa Hanabi und Koto Hanabi.
Das Edogawa Hanabi wird, wie der Name schon sagt, am Edo-Fluss aufgeführt. Die Auswahl dieses Feuerwerks folgt einfachen Überlegungen:
1. ist es nur etwa 10km von unserem Apato entfernt und einfach und schnell mit dem Fahrrad erreichbar,
2. gibt es viel Platz und gute Sicht an beiden Seiten des Ufers
3. es wird von dem Tokioter Stadtbezirk ausgerichtet, in dem ich meine Steuern zahle  😉

Nach einer guten dreiviertel Stunde radeln entlang von Flüssen und Kanälen auf gut ausgebauten Radwegen hatten wir das Festivalgelände erreicht. Schon gut einen Kilometer vorher ist es kaum mehr möglich zu radeln, ob der großen Menge an Menschen, die aus allen Richtungen gen Flussufer strömen. Auch ist es nicht einfach einen Stellplatz für den Drahtesel zu finden, da wir leider nicht die Einzigen mit dieser Idee sind. Firm im effektiven Parken von Fahrrädern, konnten wir zwei gute Stellplätze ergattern und ließen uns mit dem Strom der Menschen über den Deich und runter zum Flußufer treiben. Eine gute halbe Stunde vor Beginn, konnten wir sogar noch einen kleinen unbeplastikplanten Flecken Fußballplatzes erwischten, auf dem wir es uns dann auf unserer eigenen Plane gemütlich machten und die mitgebrachten Snacks und Drinks auspackten.
Es ist jedoch nicht zwingend notwendig Speisen und Getränke selbst mitzubringen, denn jene Menschen, die gleich hinter dem Deich leben, sind recht geschäftstüchtig und bauen Stände auf and denen Gegrilltes und gekühlte Getränke käuflich zu erwerben sind.
Auch brauchen sie sich keine Gedanken um einen guten Platz zu machen. Sie stellen einfach Tische und Stühle raus und picknicken recht komfortabel direkt vor der eigenen Haustür.

Pünktlich um 19:15 Uhr stiegen dann die ersten Raketen in den Himmel. In den nächsten gut 75 Minuten wurden dann rund 14.000 Feuerwerkskörper in allen Farben und Formen in den Nachthimmel geschossen. Ein grandioses Schauspiel, welches von vielen „Ah´s“, „Oh´s“ und Applaus begleitet wurde. Bei ein wenig Glück und einem gutem Standort war es sogar möglich, dass einige hundert Meter entfernte Itabashi Hanabi parallel zu beobachten.

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Edogawa Hanabi mit stilisiertem Fujiyama.

Das Koto Hanabi dagegen ist nicht besonders groß oder berühmt. Warum wir trotzdem hingingen? Ganz einfach: Es findet direkt vor unserer Haustür statt. Nach drei Minuten Fußweg sind wir am Ufer des Arakawa. Und gleich auf der anderen Seite starten die Feuerwerkskörper.
So sind wir mit unseren Nachbarn und unserem Abendessen zum Fluss marschiert und haben uns eine Stunde lang 4.000 bunte Feuerwerke angesehen. Ein durchaus gelungener Abschluss für einen Dienstagabend. Anna hat dazu auch einen kleinen Blog verfasst.

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Ist es ein Schmetterling?

Ich freue mich auf Kommentare!