Weihnachten in Japan – Ihr Yen-Scheine kommet

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Weihnachtliche Beleuchtung des Tokioter Hauptbahnhofs.

Weihnachten – so wie man es in Deutschland kennt.
Was ist aus dem gemütlichen Familienweihnachtsfest in Deutschland geworden.
Es verkommt immer mehr zu einer Konsumschlacht, bei welcher der christliche Ursprung und die eigentliche Bedeutung vollkommen in Vergessenheit geraten.
Das ist in Deutschland nicht anders als anderswo.

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Das ganze Fuji-TV Hochhaus ist eine einzige Weihnachtsbeleuchtung mit wechselnden Motiven.

Jedoch gibt es hier noch die vielen Traditionen, welche die Vorweihnachtszeit und das
eigentliche Weihnachtsfest bestimmen: Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, Pfeffernüsse und
Adventskränze, Adventskalender und stimmungsvolle Aussendekorationen. An Heilig Abend wird halbtags gearbeitet oder frei genommen, das Bescherungszimmer ist verschlossen und alle warten auf das Christkind. Am späten Nachmittag oder frühen Abend begibt sich die Familie in die Christmette und anschließend ist Bescherung.
Aber wem erzähl ich das, das wisst ihr ja alle und zelebriert es ja jedes Jahr.

Weihnachten – das amerikanisierte Konsumfest in Japan
Aber wie ist das in einem nicht-christlich (ich hätte jetzt fast heidnischem gesagt) geprägtem
Kulturkreis der Fall? Wie feiern die Japaner Weihnachten?
Grob gesagt eigentlich wie man es von den Filmen aus Amerika kennt. Lässt man mal den ganzen christlichen Klimbim weg und konzentriert sich auf den reinen Konsum, ist das japanische Weihnachten schon sehr gut beschrieben.
Gegen Ende November, die Ginkgo-Bäume haben noch nicht ihr gelbes Herbstkleid angelegt,
sprießen in den Läden Weihnachtsdekorationen aus dem Boden und eine weihnachtsmusikalische Beschallung verwöhnt das Ohr. Des Weiteren werden an vielen Stellen in Tokio aufwändige Weihnachtsilluminationen installiert. Diese sind recht hübsch anzusehen, und bringen zumindest ein wenig weihnachtliche Stimmung.

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Weihnachts-Illuminations-Show in Tokyo Midtown.

Christliche Attribute, wie etwa echte Weihnachtsbäume oder so etwas profanes wie rote Kerzen
für den Adventskranz sind entweder sehr sehr teuer, sehr sehr hässlich oder überhaupt nicht zu
bekommen. Alles was es gibt, ist eben sehr amerikanisch, und viel weniger europäisch.
In den letzten Jahren allerdings gibt es einen neuen Trend: Weihnachtsmärkte nach deutschem Vorbild. Einer der bekannteren wird in Roppongi Hills betrieben.  Hier gibt es, wie es sich gehört, Freßstände mit deutscher Wurst, deutschem Bier und 1300-Yen-teurem
Glühwein (inkl. Tassenpfand).

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Deutscher Weihnachtsmarkt in Roppongi Hills.

Als Besonderheit gibt es einen kleinen Laden mit Handwerkskunst aus Rothenburg ob der Tauber. Nach etwa einer halben Stunde Wartezeit wird man dort endlich eingelassen und wir von den schwindelerregenden Preisen umgehauen.
Dies alles hält sich bis zum 25. Dezember. Und wenn eigentlich Weihnachten erst so richtig
beginnt, ist es in Japan schon wieder vorbei. Schon am 26. Dezember ist die meiste Dekoration
in den Häusern schon wieder abgehängt, die Plastiktannenbäume verstaut und es wird alles für Neujahr vorbereitet. Weihnachten ist für die Japaner eben nur so ein irrer ausländischer Feiertag wie Halloween.

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Weihnachts-Beleuchtung in Odaiba.

Es gibt auch japanische Weihnachtstraditionen: Zum einen gebratenes Hühnchen, am Besten von KFC. Zum anderen Erdbeer-Shortcake.
Beides sollte man schon Monate vorher vorbestellen, um Weihnachten nicht mit leeren Händen da zu stehen.

Exkurs:
Warum gerade Erdbeer-Kuchen weiß ich leider nicht. Zu den Hühnchen gibt es eine Geschichte: In den 60iger Jahren des letzten Jahrhunderts gab es eine Werbekampagne in Japan in der KFC als „Kentucky for Christmas“ übersetzt wurde. Danach assoziierten die Japaner „echtes“ Weihnachten mit Hühnchen aus Colonel Sanders Braterei. Es hat sich so tief in die japanische Seele eingebrannt, dass auch heutzutage ein Weihnachten ohne Hühnchen (vom Colonel) kein Weihnachten ist.

Weihnachten – Unser philippinisch-deutsches Improvisationsfest
Wir kommen beide aus einer christlich geprägten Kultur und haben daher ein gemeinsames
Verständnis von Weihnachten. Auch wenn es nicht einfach ist, versuchen wir doch die
alteingesessenen Traditionen unserer jeweiligen Familien zu kombinieren und so unsere eigenen Traditionen zu erschaffen.

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Dieses Jahr hatten wir zum ersten Mal eine richtige Krippe!

Das erste Problem in Japan tritt schon zu Beginn der Adventszeit auf: Wo kriegt man geeignete
Kerzen für den Adventskranz? Zum Glück gibt es nicht weit entfernt einen Versorgungsstützpunk eines nordeuropäischen Möbelhauses. Die vier großen gelben Buchstaben auf blauem Grund verheißen am Ehesten passende und preiswerte Kerzen für den Adventskranz bereit zu halten. Und auch allerlei anderen weihnachtlichen Schnickschnack. Ist der Kranz fertig gebunden und dekoriert, geht es an den Adventskalender. Ein normaler Schoko-Adventskalender, wie er in Deutschland in jedem Discounter zu finden ist, schlägt in Japan mit etwa 5 bis 8 Euro zu Buche. Selber basteln ist da schon fast günstiger.
Nähert sich der 6. Dezember, so müssen die Nikolaus-Stiefel gefüllt werden. Diese Tradition ist auf den Philippinen unbekannt und führte im letzten Jahr zu einiger Verstörung bei der Gattin als sie zum ersten Mal einen Nikolaus sah, der ihr aus ihrem Schuhwerk entgegenblickte. Jetzt ist das aber normal und wurde übernommen. Dann geht es daran die Geschenke für die Familie in Deutschland zu besorgen, zu verpacken und abzuschicken. Immerhin dauert es etwa eine Woche, bevor das Paket bei den Lieben daheim ankommt. Da heißt es früh genug packen.

Der 23. Dezember ist in Japan Feiertag: der Geburtstag des amtierenden Tenno. Auch in diesem Jahr eine gute Gelegenheit, ganz der heimischen Tradition folgend, den  90cm-Plastikweihnachtsbaum aufzustellen und zu schmücken, die Krippe aufzubauen und die Geschenke zu verpacken.

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Ist er nicht schick, unser Weihnachtsbaum?

Am Heiligen Abend dann: passierte erstmal nix. Der fleißige Gatte, ich,  machte sich wie jeden Tag auf den Weg zur Arbeit und riss seine neuneinhalb Stunden ab. Neee, nicht ganz. An so einem besonderen Tag ging er natürlich schon nach neun Stunden nach Hause.
Auf den Philippinen würden nun die Speisen vorbereitet, dann zur Kirche gegangen und nach
Mitternacht die Geschenke verteilt und das Buffet geplündert.
Bei uns gab es, nachdem ich nach Hause gekommen war, ein leckeres Abendessen mit Kartoffelsalat und Würstchen, Lachshäppchen und anderen Leckereien. Um nicht ganz alleine zu feiern, hatten wir unseren kleinen japanischen Nachbarsjungen und seine Mutter zum Essen eingeladen.

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Leckeres Weihnachtsessen!

Nach dem Essen gab es eine kurze Bescherungszeremonie für den Kleinen. Anschließend gingen wir zu unseren litauischen und russischen Nachbarn, um auch dort unsere Geschenke abzuliefern. Internationale Weihnachten mit regem Geschenke- und Essensaustausch.

Es folgte unsere eigene Bescherung, bevor wir die Lieben in Deutschland bei ihren Vorbereitungen zum Kirchgang störten und per Videotelefonie „Frohe Weihnachten“ wünschten. Nachdem dies erledigt war, folgte das Telefonat auf die Philippinen, um auch den Verwandten dort „Maligayang Pasko“ zu wünschen.
Danach ging es ins Bett, denn ich musste ja morgens wieder raus zur Arbeit.
Denn, ich möchte dies noch einmal betonen: Weihnachten ist kein Grund Urlaub zu nehmen. Und ein gesetzlicher Feiertag ist es schon mal gar nicht.

Der erste Weihnachtsfeiertag verlief zunächst wie jeder andere Arbeitstag auch. Allerdings machte ich mich schon eher auf den Weg nach Hause, denn Anna hatte, wie schon im letzten Jahr, einen Entenbraten vorbereitet.

 
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Entenbraten mit Rotkohl und Kartoffelknödeln (Die Farbe der Knödel kommt von den lila Hokkaido-Kartoffeln, die wir verwendet haben).

Doch nicht nur der Braten, sondern auch die Kartoffelknödel und der Rotkohl waren allesamt selbstgemacht. Nichts gab es aus der Dose, denn Rotkohl in Dosen, oder Pulver/Fertigknödel gibt es in unserem Supermarkt nicht.
Und so war unser Weihnachten dieses Jahr.

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Spezieller Weihnachtsmarkt in Marunouchi. Nur vom 24. bis 27. Dezember. Und mit vielen, vielen Menschen!

Eine japanische „Tradition“ möchte ich am Ende noch erwähnen:

Weihnachten – als romantisches Fest für Paare
Da es kaum Christen in Japan gibt, ist Weihnachten weniger ein Fest für die Familie als
vielmehr ein Fest für Paare.
Am Abend des 24. Dezember kleiden sich die Damen besonders festlich und gehen mit ihrem Partner in ein gutes und teures Restaurant zu einem romantischen Abendessen. Eine Reservierung, schon Monate im Voraus, ist ratsam. Für Paare, die sich schon lange kennen und vielleicht auch zusammenleben, bleiben die Kosten für Weihnachten in einem übersichtlichen Rahmen. Anders sieht es jedoch für jene aus, die entweder Gaijin (Ausländer) sind und sich nicht so mit den Gepflogenheiten und Erwartungen der heimischen Damenwelt auskennen, oder für solche, die verzweifelt genug sind, und sich für ein bisschen Zweisamkeit ausnehmen zu lassen.
Denn dies ist für viele Damen der eigentliche Zweck von Weihnachten: Kasse machen und
vielleicht ein bisschen Spass haben.

Im allgemeinen läuft dies so ab:
Der Delinquent kauf ein besonders teures Geschenk, welches aufwendig verpackt wird. Es sollte darauf geachtet werden, dass es wirklich teuer ist und in die Jackentasche passt. Ein Diamantring oder eine edelsteinbesetzte Kette tun es immer. Am Abend des 24. Dezember sollte Mann dann in festlichem Zwirn, bevorzugt in den aktuellen Winterfarben, am Treffpunkt erscheinen und die Dame in das zuvor reservierte Restaurant führen. Bevorzugt werden hier Restaurants in den obersten Etagen namhafter Hotels mit einem atemberaubenden Blick über das nächtliche Tokio. Während des, mindestens 3-gängigen, Menüs mit passenden Weinen zu jedem Gang, sollte ganz galant und im richtigen Moment das Geschenk überreicht werden (und hoffen, dass es in der von der Dame als angemessen empfundenen Preiskategorie liegt). War alles zur Zufriedenheit der Dame, ist es vielleicht sogar möglich, noch ein wenig Spaß in einem der Love-Hotels zu haben. In den meisten Fällen ist jedoch spätestens danach Schluß mit der Zweisamkeit. Die Dame und der Herr gehen getrennte Wege und die Dame versucht so schnell wie möglich den geschenkten Schmuck in Bargeld zu verwandeln. Deswegen ist es sehr beliebt nach Überreichung des Geschenkes auch gleich nach dem Kassenbon zu fragen. Der Einfachheit halber.
Andere Länder – andere Sitten….

 

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